Ruhe vor dem Sturm.

Marktkommentar - Januar 2017

Ruhe vor dem Sturm.

Dr. Achim Hammerschmitt - CFA, Leiter Vermögensverwaltung & Fondsmanagement der Fürstlich Castell’schen Bank

Blendet man politische Störgeräusche aus, so stellt sich die wirtschaftliche Situation der Welt deutlich besser und stabiler dar, als wir noch vor sechs Monaten erwartet haben. Die Vereinigten Staaten von Amerika wachsen 2016 mit circa 2 %, China zeigt Stabilität und Europa weist selbst in der Peripherie recht solide Wachstumszahlen und Aussichten auf. Kein Vergleich mit der Situation von vor einem Jahr, als in den USA Frühindikatoren der wirtschaftlichen Aktivität, wie die Einkaufmanagerindizes, eine Kontraktion anzeigten und die FED die Zinsen dennoch anhob und China drastisch schrumpfende Im- und Exportzahlen vorlegen musste. Gefühlt könnten wir uns mithilfe des Trump’schen Stimulus-Programms sogar auf eine Lage zubewegen, in der sich das Wachstum weiter beschleunigt. All diese Erwartungen sprechen für eine Übergewichtung von Aktien. Wendet man seinen Blick jedoch auf die Bewertung der Märkte, so kann man feststellen, dass insbesondere der US-Aktienmarkt relativ zu den Gewinnerwartungen für 2017 als auch im historischen Kontext eher teuer ist. Auch euroländische und japanische Aktien sind kein Schnäppchen mehr. Für eine entschiedene Fortsetzung der Aufwärtsbewegung, insbesondere in den USA, benötigen wir das Quentchen mehr an Gewinnwachstum. Erste Indikatoren wie der amerikanische »Small Business Survey« gehen da in die richtige Richtung.

Gestützt werden die Märkte scheinbar von niedrigen Volatilitätszahlen. Doch sind diese Risikokennziffern für die Aktienmärkte rund um den Globus bei Tiefstständen angelangt. Und von hier geht der Pfad des geringsten Widerstands im Allgemeinen nach oben. Die Zeit relativer Ruhe dürfte wohl bald zu Ende gehen. Auslöser eines Volatilitätsanstiegs könnten politische Ereignisse, wie die Wirtschaftspolitik Trumps oder geopolitische Konflikte sein, wie sie sich derzeit langsam im südchinesischen Meer zusammenbrauen. China könnte der Fokus einer Auseinandersetzung über den Handel mit den USA werden, wenn das sogenannte »border tax adjustment« eingeführt wird. In den (staatlich gelenkten) chinesischen Zeitungen war von Vergeltungsmaßnahmen, wie Löschung von Flugzeugbestellungen bei Boeing oder eine Unterbrechung der Versorgungslinien für US-Unternehmen wie z. B. Apple die Rede. Und auch für uns Deutsche wird es als große Export-Nation ungemütlicher werden. Sinkender Welthandel und ein stärkerer Dollar wären wohl die direkte Folge dieser Art Politik und könnten die Aktienmärkte unter Druck setzen.

Erleben wir am 20. Januar und in den folgenden Wochen nach der Amtseinführung einen staatsmännischen Präsidenten Trump, werden die Märkte von einer mit Augenmaß umgesetzten Politik ausgehen. In diesem Falle würden wir gemäß des Mottos »Buy the rumor, sell the fact« Aktien weiter aufbauen und unsere neutrale Positionierung taktisch aufgeben. Im gegenteiligen Falle werden die Märkte von einem deutlich stärkeren Dollar, steigenden US-Zinserwartungen und genereller Risikoaversion den Rückwärtsgang einlegen und auch wir werden unsere Positionierungen überdenken müssen. Uns steht also nach einem turbulenten Jahr 2016 wie nach der Wahl von Herrn Trump wieder ein Jahr mit Herausforderungen bevor. Prognosen für den Jahresverlauf gleichen unserer Auffassung nach deshalb mehr denn je dem wenig verlässlichen Blick in die Kristallkugel. Wir setzen daher auf eine nach Risikoprofilen und Risikofaktoren ausgerichtete, diversifizierte Geldanlage für unsere Kunden und blenden die Prognosen weitgehend aus.