Risikoaversion und Unternehmensgewinne

Marktkommentar - August 2017

Risikoaversion und Unternehmensgewinne

Dr. Achim Hammerschmitt - CFA, Leiter Vermögensverwaltung & Fondsmanagement der Fürstlich Castell’schen Bank

Die letzten beiden Wochen waren ein Lehrstück wie die Einschätzung von Risiken durch die Marktteilnehmer sich darin niederschlägt, wieviel man bereit ist für Aktien, Bundesanleihen und Rohstoffe wie zum Beispiel Gold zu bezahlen. Wir sprechen hierbei von der Risikoaversion des breiten Marktes. Ist die Risikoaversion niedrig, ist der Anleger bereit viel für eine Aktie zu bezahlen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist dann entsprechend höher. Bei Anleihen ist man wegen der niedrigen Risiken nicht bereit, mehr zu bezahlen und die eingekaufte Rendite bis Endfälligkeit muss relativ hoch sein, damit der Anleger dennoch zugreift. Bei gestiegener Risikoaversion ist es genau andersherum: das bezahlte Kurs-Gewinn-Verhältnis ist geringer und die eingekaufte Rendite bei Anleihen ist geringer.

Durch die Ferien-Twitter von Präsident Trump ist die Risikoaversion aufgrund der gestiegenen Wahrscheinlichkeit eines weiteren Korea-Krieges gestiegen. Die Aktienmärkte reagierten mit Abschlägen, die Rentenmärkte sahen Preisgewinne und niedrigere Renditen und Gold wurde teurer. Davon abgesehen, dass das quasi nebenbei Auslösen einer globalen Krise durch Präsident Trump via Twitter eine neue, zweifelhafte Qualität darstellt, ist die Reaktion der Kapitalmärkte auf diesen externen Schock geradezu lehrbuchhaft gewesen. Und in dem Maße, wie die USA und Nordkorea zu rationalerem Handeln zurückkehren, wird auch wieder die Risikoaversion fallen. Aus politisch rationaler Sicht ist damit eher zu rechnen, als der Eintritt in einen echten Krieg. Die Reaktion Chinas, der quasi Schutzmacht Nordkoreas, hat dies recht klar gemacht. Bei diesem US-Präsidenten verbleibt jedoch ein Restrisiko, weswegen wir auch unsere Bestände an Gold weiterhin halten werden.

Auch wenn Trumps Twitter-Politik die Schlagzeilen beherrscht, so gab es doch auch realwirtschaftliche Entwicklungen, die wir ebenfalls für wesentlich halten. Die Unternehmen in den USA und Europa haben nämlich die Berichtssaison für das zweite Quartal 2017 hinter sich gebracht und uns über bereits vereinnahmte und noch erwartete Gewinne informiert. Und was wir dort gehört haben, bekräftigt uns in unserem Weltbild.

Die Unternehmen der USA haben nicht nur im ersten Quartal eine kleine Gewinnrezession abgeschlossen, sondern auch noch im zweiten Quartal ein gutes Umsatzwachstum
bei gleichzeitigem Margenwachstum erzielen können. Die Erwartungen wurden damit doch recht deutlich übertroffen und die Gewinne wuchsen um knapp 10 % gegenüber dem Vorjahr, so dass wir für das Gesamtjahr 2017 von einem Gewinnwachstum der US-Unternehmen in der Größenordnung von 12 % ausgehen können. Die US-Unternehmen erhielten dabei vom schwachen Dollar und dem Umsatzwachstum in den Schwellenländern Rückenwind. Umgekehrt bremst der starke Euro europäische Unternehmen etwas, auch wenn man im zweiten Quartal wenige Auswirkungen in den Unternehmensgewinnen sehen kann. Denn auch Europa hat bisher eine bärenstarke Berichtssaison hinter sich und vermeldet 14 % höhere Gewinne als im Vorjahr! Für Europa erwarten wir damit, ähnlich wie für Deutschland, ein Gewinnwachstum von 11 – 12 % für das Kalenderjahr 2017. Die Eurostärke muss trotz dieser guten Nachrichten im Auge behalten werden, denn ein 10 % Anstieg des handelsgewichteten Euros kostet den europäischen Unternehmen etwa 5 % Gewinnwachstum. Derzeit müssen die Unternehmen mit einem circa 7 % gestiegenen handelsgewichteten Dollar zurechtkommen, was die Gewinnentwicklung um schätzungsweise 3 – 4 % bremsen könnte, wenn es zu keiner Gegenbewegung kommt. Günstigere Kurs-Gewinn-Verhältnisse aufgrund der gestiegenen Gewinne, und Nordkorea bedingt gefallene Aktienkurse, bestärken uns darin, unsere Aktienquote trotz der jüngsten Kursverluste nicht zu reduzieren, sondern in den Anlageprofilen wo möglich leicht weiter zu erhöhen.

Bei den Währungsmärkten dagegen bleiben wir vorsichtig. Der Dollar, der in Krisenzeiten normalerweise eine gesuchte Währung ist, hat in der Nordkorea-Krise nur wenig Stärke gezeigt. Sollten die von uns gesetzten Marken genommen werden, werden wir uns, wie im letzten Monat dargestellt, in Demut üben und weiter Währungsrisiko reduzieren. Neben Trump werden sich Ende August die Chefs der großen Notenbanken in Jackson-Hole treffen und über die makroökonomische Situation der einzelnen Staaten und Regionen diskutieren. Dieses Treffen hat die Möglichkeit die Märkte zu beeinflussen und wird mit Sicherheit neue Impulse für den Euro und den Dollar geben. Wir rechnen zwar nicht mit Hiobsbotschaften, stehen aber Gewehr bei Fuß, um bei weiteren, überraschenden TaperingÄußerungen Draghis oder Signalen der FED-Chefin Yellen schnell handeln zu können.