Rückblick – Ausblick

Marktkommentar - Dezember 2017

Rückblick – Ausblick

Dr. Achim Hammerschmitt - CFA, Leiter Vermögensverwaltung & Fondsmanagement der Fürstlich Castell’schen Bank

Wie mittlerweile schon Tradition, möchte ich das Jahresende dazu nutzen, um Rückblick auf das vergangene Jahr und Ausblick auf 2018 zu verknüpfen. Rückblickend kann ich festhalten, dass vieles gut gelaufen ist und wir damit den Gegenwind durch einen schwachen Dollar und Yen ausgleichen konnten. Wenn man dann bedenkt, dass wir, je nach Profil, zwischen ca. 15 % und 25 % US-Dollar Assets halten und der Dollar 12 % verloren hat, heißt das, dass uns der schwache Greenback zwischen 2 % und 3 % gekostet hat. Diesen Gegenwind konnten wir mit Anlageideen sowohl auf der Renten als auch auf der Aktienseite ausgleichen und zu einem guten Ergebnis für unsere Kunden wandeln. Wir haben Portugal mit einem Zinsaufschlag von 4 % gegenüber Bundesanleihen gekauft, weil wir von der positiven wirtschaftlichen Entwicklung Portugals überzeugt waren und wurden bis dato mit Erträgen von 10 % und mehr belohnt. Auf der Aktienseite setzten wir stärker auf Titel der Eurozone und Titel aus der zweiten Reihe, die 3-4 % besser waren als z. B. der DAX. In den USA bevorzugten wir die Tech-Titel und konnten von der Hausse in den Amazons und Facebooks dieser Welt profitieren. Wir haben die Erholung Japans, die ich im letzten Monat thematisiert habe, in Ihre Portfolien geholt und den schwächelnden Yen jedoch wohlweislich außen vor gelassen. Durch dieses intensive Arbeiten während des Jahres konnten wir gute Erträge erarbeiten.

Die Aktien haben mit Sicherheit das Ergebnis des Jahres 2017 getragen, aber nach über 13 % im DAX stellt sich nicht nur der Anleger die Frage, was im nächsten Jahr noch möglich ist. Auf der anderen Seite, bei den zinstragenden Wertpapieren, fragt man sich, wann der große Zinsanstieg, wann der große Inflationsanstieg kommt und was das für die Geldanlage bedeutet?

Zuerst zu den Aktien. Vor dem Hintergrund des synchronen Aufschwungs, den wir global erleben, und der besser als am Jahresanfang erwarteten Gewinnsituation, stehen weiter alle Ampeln auf grün. Der DAX kann mit den für 2018 erwarteten Gewinnen bis Jahresende 2018 einen Indexstand im Bereich von 13.800 bis 14.000 rechtfertigen. Bremsend könnte sich hierauf eigentlich nur eine fortgesetzte Stärke des Euro auswirken. In Europa sehen wir übrigens auch bei den großen britischen Unternehmen ein gewisses Aufholpotential, wenn man vielleicht einmal die Banken außen vor lässt. Brexit hin oder her, diese Unternehmen generieren den größten Teil ihrer Gewinne außerhalb Großbritanniens und sind damit nicht so abhängig von UK-Wachstum und Pfund. Für US-Unternehmen wird die Trump’sche Steuerreform zusätzliche Gewinne bedeuten, so dass die derzeitig hohe Bewertung deutlich relativiert wird und ebenfalls Potential von 7-9 % Kurssteigerung besteht. Man darf nicht vergessen, dass viele der Gewinner der Globalisierung, wie Amazon, Google und Facebook, in den USA notieren und aufgrund der Quasi-Monopolstellung Bewertungsaufschläge berechtigt sind. Asien wächst weiter sehr stabil und mit einem wiedererstarkendem Japan hat die pazifische Region gute Chancen an die starken Gewinne des letzten Jahres anzuknüpfen. Chinas global wichtiger gewordene Rolle wird sich auch hier widerspiegeln. Gerne wird China auch die Rolle eines möglichen Spielverderbers im obigen Szenario zugewiesen und es gab in der Historie auch schon Politik-Fehler, die die Märkte erschüttert haben. Ich glaube allerdings an die Lernkurve der chinesischen Regierung und ihrer Behörden, so dass die geplante Abschwächung des Wachstums, wie sie mit dem Umbau von einer produktionsdominierten hin zu einer serviceorientierten Volkswirtschaft auftritt, ohne größere Bremsspuren vonstatten gehen sollte.

Bei den Rentenmärkten sehen die Treiber und die Chancen und Risiken der Märkte deutlich unterschiedlicher aus. So ist die USNotenbank mitten in einem Zinserhöhungszyklus, die europäische Zentralbank EZB jedoch nicht. Die Briten haben mit deutlich steigender Inflation zu kämpfen, wollen aber die Zinsen nicht deutlich erhöhen, um nicht durch ein dann erstarkendes Pfund das Wachstum weiter zu dämpfen. Für die USA werden vom Markt derzeit nur zwei Zinserhöhungen erwartet, während die Notenbank drei signalisiert. In der Eurozone werden die Zinsen mit den US-Zinsen leicht nach oben driften. Die Kreditmärkte werden weiter von der sich verbessernden Kreditqualität der europäischen Unternehmen profitieren und damit weitere Spreadeinengungen begünstigen. Das Ausmaß wird allerdings deutlich geringer ausfallen als 2017. Im Verlauf des Jahres werden wir auch feststellen, dass sich Marktteilnehmer zunehmend der geringeren Liquidität von Hochzins- und Nachranganleihen bewusst werden. Alles in allem ein moderat positives Bild. Die steilen Zins- und Spreadkurven werden es uns auch 2018 erlauben positive Renditen von 2 % und mehr aus dem Rentenanteil zu extrahieren, weswegen wir diese Assetklasse relativ zu Aktien zwar untergewichten, kostspielige Kassehaltung aber als Anlagestrategie für uns keine sinnvolle Alternative ist.

Aber manchmal kommt es anders, als man denkt. Was könnte denn unser positives Grundszenario beschädigen oder gar entgleisen lassen? Über China haben wir bereits gesprochen. Dort sehen wir nur sehr latent Gefahrenpotential. Trump und Nordkorea ist eine andere Gefahrenquelle, wobei Nordkorea hier nur als Platzhalter für die erratische und gefährliche Politik des US-Präsidenten stehen sollte. Da solche Gefahren schwer vorherzusagen sind, empfehlen wir den Anlegern weiterhin einen Mix aus Bundesanleihen, US-Staatsanleihen und Gold zu halten, der in solchen Krisen als Rettungsanker dienen wird.

Damit wird auch das kommende Jahr 2018 nicht arm an Herausforderungen für uns sein. Wir freuen uns diese für Sie mit unserer risikokontrollierten Investmentphilosophie begleiten und managen zu dürfen.

Ihnen und Ihren Lieben wünscht das gesamte Casteller Team ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Start in das Jahr 2018.