Korrektur oder Trendwende

Marktkommentar - Februar 2018

Korrektur oder Trendwende

Dr. Achim Hammerschmitt - CFA, Leiter Vermögensverwaltung & Fondsmanagement der Fürstlich Castell’schen Bank

Nach dem sehr erfreulichen Verlauf des Januars schien Anfang Februar die Hölle an den Kapitalmärkten loszubrechen, der DAX notierte zwischenzeitlich 12 % unter seinen Jahreshöchstständen und damit 5 % im Minus. Bei amerikanischen und japanischen Aktien spielte sich dasselbe Drama ab. Auch hier gab es Preiskorrekturen von 10 % und mehr. Aufgrund der hervorragenden wirtschaftlichen Lage waren wir in den letzten Monaten von einer möglichen Korrektur im Bereich von 5 % ausgegangen, wie sie in unregelmäßigen Abständen immer wieder wie ein reinigendes Gewitter über die Märkte hereinbricht. Daher hatten wir nach dem starken Jahresauftakt noch im Januar unser Aktien-Portfolio etwas defensiver ausgerichtet und im Verlauf der Korrektur die Aktienquote leicht gesenkt. Dass aus den typischen 5 % eine in Phasen panische 10 % Korrektur wurde, hat uns und den gesamten Markt dann doch überrascht. Was uns während dieser ganzen Zeit beruhigt hat, ist die Tatsache, dass weder Gold noch Staatsanleihen, noch Sichere-Hafen-Währungen eine nennenswerte Reaktion zeigten. Es war eben kein Eintreten in eine Krise, sondern nur eine außergewöhnlich heftige Marktkorrektur. Wie ungewöhnlich konnte man sehr gut feststellen: Bei einer vergleichbar guten wirtschaftlichen Lage gab es in den letzten 50 Jahren nur 4 weitere solcher Korrekturen. Was war also passiert? Begeben wir uns auf Spurensuche.

Als der Aktienmarkt nach dem guten Januar etwas durchatmete und die Kurse leicht nachgaben, erhöhte sich die Schwankungsbreite der Aktienkurse, die sogenannte Volatilität. Mittlerweile gab es aber im Markt genügend Positionierungen, die auf eine sinkende Volatilität wetteten. Mit dem Anstieg der Volatilität begannen einige Marktteilnehmer Gewinne zu realisieren, also ihre Wetten auf fallende Volatilität glattzustellen, was dazu führte, dass eben dieser Anstieg und eine Feed-Back-Schleife eingeleitet wurden, die den ganzen Markt für Volatilitäten aus der Bahn warfen. Da solche Positionierungen Kombinationen aus Optionen auf Aktien und Aktien-Indizes sind, gab es die entsprechende Rückkopplung auf die tatsächlichen Aktien und Aktienindizes, die dann an einem Tag zwischenzeitlich um 8 % fielen, um dann bei  -4% aus dem Handel zu gehen. Der nächste Schritt erfolgt dann von Marktteilnehmern, die generell bei sich erhöhender Volatilität der Aktienmärkte verkaufen oder die aus Angst vor weiteren Verlusten sich dazu veranlasst fühlten. Wie heftig diese Korrektur in den Volatilitätsmärkten wirkte möchte ich Ihnen am Beispiel eines börsennotierten Papiers, das auf fallende Kurse wettete, demonstrieren.

Wie Sie anhand der untenstehenden Grafik sehen, bleibt von einem vor einem Jahr gemachten Investment nach der Korrektur nichts mehr übrig. Man kann das mit einem Investor vergleichen, der vor einer Dampfwalze herläuft und 1 Euro-Cent-Münzen aufsammelt. In unserem Falle ist er offensichtlich gestolpert und von der Dampfwalze überrollt worden. Genau aus dem Grunde hüten wir uns vor solchen Strategien: Wir investieren Ihr Geld. Wir spekulieren nicht.

Wie haben wir auf die Korrektur reagiert? Wir haben nach der ersten Phase der Korrektur unsere Ende Januar defensiver ausgerichtete Aktiengewichtung leicht gesenkt, da wir eher mit der klassischen 5 % Korrektur rechneten. Nach dem überraschenden zweiten Ausverkauf sahen wir aber eher ein baldiges Ende der Kursverluste als eine Fortsetzung voraus. Um allerdings auf Nummer sicher zu gehen, reduzierten wir die riskanteren Bereiche, die bisher noch nicht betroffen waren, aber aufgrund ihrer schlechteren Liquidität und teilweise Aktienähnlichkeit gefährdet waren: Hochzinsanleihen und Nachränge. Außerdem stockten wir Sichere-Hafen-Währungen wie den Dollar und den japanischen Yen auf, um vor weiteren Turbulenzen geschützt zu sein. Besonders gespannt verfolgten wir die ökonomischen Daten, die in den ersten beiden Wochen global herausgegeben wurden. Diese unterstützten sowohl von der volkswirtschaftlichen Sichtweise als auch von der Unternehmensseite unsere vorsichtig optimistische Positionierung. Unser Risikosystem zeigte zwar angespannte Risikobudgets an, ein Handeln aufgrund der Risikosignale und des Risikobudgets war jedoch nicht vonnöten.

Wir rechnen daher in den nächsten Wochen mit einer Normalisierung bei den Volatilitäten, und eher steigenden Aktienmärkten, die unsere Vermögensverwaltungen wieder zurück in positives Territorium führen werden. Wenn es aber anders kommt als wir erwarten, werden wir dem weiteren Kursverfall nicht zusehen, sondern entsprechend unseres Ansatzes unsere Risikobudgets verteidigen.