ZerTRUMPelt die Weltpolitik die Märkte?

Marktkommentar - März 2018

ZerTRUMPelt die Weltpolitik die Märkte?

Dr. Achim Hammerschmitt - CFA, Leiter Vermögensverwaltung & Fondsmanagement der Fürstlich Castell’schen Bank

In den letzten Wochen und Monaten kristallisierte sich ein Bereich der Politik heraus, den wir alle nicht auf den Titelseiten der Zeitungen anzutreffen hofften – Der Protektionismus. Das Gespenst eines globalen Handelskrieges verängstigt derzeit die Anleger und die Aktienmärkte der Welt. In Gesprächen mit Kunden und Kollegen werden angesichts des gefühlt verantwortungslosen Charakters des US-Präsidenten gar Extremszenarien bis hin zum Atomkrieg zwischen Nordkorea und den USA befürchtet. Wir als Vermögensverwalter machen uns Sorgen, ob wir eine Wiederholung der Geschichte aus dem Jahr 2002 erleben werden, als George W. Bush Zölle auf Stahl eingeführt hat und der US-Aktienmarkt knapp 30 % in die Knie ging, der Dollar schwächelte und die USStaatsanleihen haussierten. Daher beschäftigt uns die Frage, ob es tatsächlich zu einem vollen Handelskrieg kommen kann oder sogar muss? Nicht erst seit dem Präsidentschaftswahlkampf 2016 wissen wir, dass protektionistische Gedanken insbesondere in der Wählerschaft der Republikaner sehr populär sind. So hielten im Wahljahr 2016 nach einer Umfrage der New York Times nur 30 % der Anhänger der Republikaner freien Handel für gut, während bei den Demokraten ca. 2/3 Freihandel befürworteten. Trump nahm diese Stimmung auf, die es ihm erlaubte zuerst das Rennen um die Kandidatur zu gewinnen und dann ins Weiße Haus einzuziehen und ist nun dabei seine Wahlversprechen umzusetzen.

Hauptziel war und ist dabei immer China, deren nonchalanter Umgang mit Design- und Markenrechten weltbekannt und weithin kritisiert ist und deren Rolle als Werkbank der Welt dafür sorgte, dass Produktion aus entwickelten Ländern wie USA und Europa nach China und Asien verlagert wurde. Mit ihrem riesigen Handelsdefizit sind die vereinigten Staaten ein großer und lukrativer Markt. Man kann den Amerikanern daher eine gewisse Macht bei der Findung der Preise für ein Gut zuschreiben; wir sprechen von einem »Price-Maker«. Eine alte Theorie aus dem 19. Jahrhundert des Ökonomen Robert Torrens zeigt, dass der Marktteilnehmer mit der Preisfindungsmacht von einer Erhöhung der Zölle sogar profitiert. Aus rationaler Sicht macht für die USA daher eine Handelsauseinandersetzung vielleicht durchaus Sinn, ein Handelskrieg jedoch definitiv nicht. Es ist folglich besonders wichtig, auch für Trump, weitere Runden von Zöllen und Gegenzöllen zu vermeiden. Hier geht es plötzlich um Psychologie. Trump ist dafür bekannt, dass er in seiner Wirtschaftskarriere Gegner in den Bankrott getrieben hat, auch wenn dies für ihn Verluste bedeutet hat. Genau damit droht er in seinen Tweets gegen die deutsche Autoindustrie. In seiner auf Einschüchterung basierenden Strategie ist es aber durchaus nützlich als rücksichtslos und verrückt zu gelten. Und wenn wir ehrlich sind, befürchten wir alle genau dieses Verhalten. Genau dies ist von ihm beabsichtigt! Was würde Trump bremsen?

Die Antwort ist recht klar: der Aktienmarkt und das Pentagon. Trump brüstet sich seit Beginn seiner Präsidentschaft mit den haussierenden Aktienkursen. Als der Markt bei seiner Ankündigung der Zölle verschnupft reagierte, kam es sofort zu ersten vorläufigen Ausnahmen für Kanada und Mexiko. Auch das Pentagon intervenierte hinter verschlossenen Türen mit dem Hinweis, dass es keine gute Idee sei, Handelskriege mit Verbündeten anzufachen. Es gibt also Hoffnung, dass sich hinter dem scheinbar irrationalen Gehabe des Präsidenten genügend ökonomischer Sachverstand befindet, der diese Aktion lenkt. Die Abgänge von Wirtschaftsexperten wie Cohn oder Tillerson aus dem Team Trump sprechen aber leider eine andere Sprache und befördern die Zuspitzung der Regierung auf eine Person, Trump.

Und so müssen wir unsere Portfolien Schritt für Schritt wetterfester machen, doch noch ohne die Chancen, die Aktien bieten, zu ignorieren. Wir haben in den letzte Wochen unsere Staatsanleihenquote aufgestockt und werden diesen Weg, Sicherheiten im Portfolio zu stärken, fortsetzen, sollte sich die Eskalationsspirale im Handelskonflikt weiterdrehen. Bleibt es bei einem ausgeprägten Säbelrasseln, haben wir mit unserer derzeit erhöhten Kassehaltung aber auch noch genügend Munition, um in höher rentierliche Papiere auf der Rentenseite oder in interessante Aktien und Märkte zu investieren. Denn abgesehen von Politik und Trump geben das globale Wachstumsbild und die Profitabilität der Unternehmen in Europa und der Welt klaren Anlass zur Freude.

Wir rechnen noch immer eher damit, dass auch in der Handelsauseinandersetzung »USA gegen den Rest der Welt« nichts so heiß gegessen wie gekocht wird. Da aber bei Einschätzungen einzelner Personen mehr Fehler gemacht werden als bei Einschätzungen von Teams, ist ein substantielleres Restrisiko gegeben als noch vor den letzten Abgängen in der US-Regierung. Wenn es also anders kommt, als wir erwarten, werden wir einem weiteren Kursverfall nicht zusehen, sondern entsprechend unseres Ansatzes unsere Risikobudgets verteidigen.