Gesagt – Getan

Marktkommentar - Mai 2018

Gesagt – Getan

Dr. Achim Hammerschmitt - CFA, Leiter Vermögensverwaltung & Fondsmanagement der Fürstlich Castell’schen Bank

In gewissem Sinne war es schon fast unheimlich, wie sich die Aktien-, Zins- und Währungsmärkte in den letzten vier Wochen gemäß unseres Drehplans bewegt haben. Die Aktien sind gestiegen und haben aus unserer Sicht wichtige Marken zurückerobert, die wir dann, wie angekündigt, auch zur Aufstockung unserer Aktienquote genutzt haben. Die Unternehmen haben dabei global sehr gute Ergebnisse berichtet und viele Sorgen der Markt-Kassandras, wie z. B. »Maximal-Marge überschritten«, »Maximalgewinne erreicht« etc. haben sich auch dieses Quartal wieder als grundlegend falsch erwiesen. Selbst wenn man den Effekt der US-Steuersenkung aus den Gewinnzahlen des ersten Quartals herausrechnet, sind die Margen der amerikanischen Unternehmen gestiegen, übrigens bei gleichzeitigem Anziehen des Umsatzes! Auch in Europa zeigt sich mittlerweile ein gutes Bild und man nähert sich dem oberen Rand der Erwartungen an, was die Aktien weiter beflügeln sollte. Kein Wunder also, dass die Aktienmärkte, je nach Disposition, mehr oder weniger dynamisch ihre Erholung fortgesetzt haben. Das noch weiteres Potential für Aktien besteht, habe ich schon letzten Monat dargestellt.

Bei den Zins- und Rentenmärkten haben die Notenbanken der USA, die Federal Reserve Bank, (FED), und die europäische Zentralbank (EZB) wichtige Statements veröffentlicht, die Zinsängste in den USA und der Eurozone deutlich beruhigt haben. So fiel die Reaktion der Märkte bei nachlassendem »GeTwitter« und Handelskriegsängsten moderater aus als erwartet. Die Zinsen stiegen zwar, was wir auch zum Anlass genommen haben unsere Zinssensitivität, wie letzten Monat angekündigt, wieder deutlich zu senken. Das Ausmaß war aber erträglicher als bei vergleichbaren Perioden des letzten Jahres. In den USA bestand die Angst, dass der Geist der Inflation aus der Flasche entschlüpft, wie es z. B. ein Maß für die Gehaltsentwicklung der regionalen Niederlassung der FED in Atlanta impliziert. Die Reaktion der FED wäre ein schnelleres, stärkeres Erhöhen der Zinsen gewesen, um zu verhindern, dass die Zielinflation übertroffen wird. Gott sei Dank hat sich die US-Notenbank recht pragmatisch geäußert, nämlich, dass sie nach dieser langen Zeit der Unterschreitung in den letzten Jahren, ein gewisses Überschießen der Inflation tolerieren wird, ihr Ziel sozusagen symmetrisch um die Ziel-Inflation herum interpretiert. Dem liegt sicherlich die Gewissheit zugrunde, dass eine Notenbank ihr Instrumentarium kennt, mit dem sie Inflation wirkungsvoll bekämpfen kann. Damit sind Befürchtungen eines schneller als erwarteten Zinsanstiegs in den USA und einer »Ansteckung« für Europa vorerst vom Tisch.

Zum dritten hat sich auch der Währungsmarkt weitgehend so entwickelt, wie wir erwartet hatten. Der US-Dollar ist stärker geworden und hat verlorenes Terrain zurückerobert. Begünstigt wurde diese Erholung sicherlich auch mit der leicht abnehmenden Synchronizität und Dynamik des globalen Wirtschaftswachstums. In Europa haben wir in Bezug auf Wirtschaftswachstum wohl schon den Höhepunkt überschritten, glauben aber, dass wir dieses und nächstes Jahr noch oberhalb des jeweiligen nationalen Potenzials wachsen. Ausnahme könnte einmal mehr Italien sein, deren im Entstehen begriffene Regierungskoalition wirre und schädliche Wirtschaftsprogramme anvisiert. In Japan gab es im ersten Quartal ebenfalls kleine Bremsspuren wie auch erste Stolperer bei einigen Schwellenländer. So musste Argentinien knapp 19 Jahre nach dem letzten Staatsbankrott, wieder einmal den Internationalen Währungsfonds um Hilfe bitten. Damit hatte das Bild des gleichzeitig an Dynamik gewinnenden Wachstums, das historisch eher zu Dollar-Schwäche führte, erste Kratzer erhalten, was das Erstarken des Dollars begünstigte. Wir erhoffen uns noch etwas mehr Stärke und haben daher auch unsere Dollarquote angehoben.

Auch auf der Risikoseite haben unsere Versuche der Trump-Exegese, nämlich, dass er vermeiden möchte die Märkte zu schädigen und, dass er auf seine Militärs hört, funktioniert. Das Damoklesschwert einer Handelsauseinandersetzung schwebt aber nach wie vor über unseren Häuptern. Hier ist aufgeschoben definitiv nicht aufgehoben. Die Zölle werden von Trump schlau als mögliche Strafe und Druckmittel für europäische Gegenreaktionen auf die Iranpolitik oder andere Sonderwege genutzt, weshalb die Verschiebung der Entscheidung über die Zölle gegen die EU recht clever war. So bleibt der europäische Tiger zahnlos und die Politik nur mediale Empörungspolitik.

Für eine tiefergehende Irritation der Kapitalmärkte müssten aber echte Handelsauseinandersetzungen entstehen, was vielleicht der Juni mit der endgültigen Entscheidung über die Stahl- und Aluminium-Zölle bringen könnte. Dann wäre das klassische »Sell in May and go away« wieder einmal die richtige Strategie. Wir erwarten aber, dass mit dem reinigenden Gewitter im ersten Quartal jahreszeitliche Schwankungen vorgezogen wurden und die Rückbesinnung auf die guten Ergebnisse der Unternehmen und die gute Lage der Weltwirtschaft bis in den Sommer anhält.

Unser Kurs für die nächsten Monate bleibt weiter gesetzt: Wir glauben an die Chancen der Aktien, verlieren aber die großen Probleme der Welt nicht aus den Augen und halten an unseren Gegengewichten fest. Wenn unser Risikoszenario eintritt, werden wir einem Kursverfall der Märkte nicht untätig zusehen, sondern entsprechend unseres Ansatzes Gewinne sichern und unsere Risikobudgets verteidigen und falls nötig in »sichere Häfen« umschichten.