Der amerikanische (Alb-)Traum oder die Hoffnung stirbt zuletzt.

Standpunkt - Februar 2017

Der amerikanische (Alb-)Traum oder die Hoffnung stirbt zuletzt.

Dr. Sebastian Klein - Vorsitzender des Vorstands der Fürstlich Castell'schen Bank

Der neue amerikanische Präsident ist nun im Amt. Seine ersten Amtshandlungen sind – euphemistisch formuliert – irritierend. Anhaltende Proteste in den USA und außerhalb sind nur eines von vielen Anzeichen dieser Irritationen.

Dennoch steigen – zwar zuletzt verlangsamt – die Börsen in den USA auf neue historische Höchststände. Wie ist das zu erklären, sind doch Börsen sensible Seismographen für Unsicherheiten politischer und wirtschaftlicher Natur?

An den protektionistischen Plänen der Trump Regierung kann dies kaum liegen, denn seit Ricardo wissen wir, dass dies mittelfristig zu Wohlfahrtsverlusten für alle Handelspartner führt.

Nun sind aber die protektionistischen Pläne Trumps bei genauerem Blick nur auf die Branchen gerichtet, in denen die USA relative Wettbewerbsnachteile hat, in anderen Branchen beabsichtigt er die Internationalität der amerikanischen Firmen im globalen Freihandel hingegen weiter zu stärken. Die Bestrebungen, den Banken Regulierungserleichterungen zu verschaffen, sind ein sehr gutes Beispiel hierfür. Folgerichtig haben Banken einen wesentlichen Beitrag zum Höhenflug der US-Indizes geleistet.

Auch die erst in Rudimenten erkennbaren Infrastruktur- und Steuersenkungspläne der neuen US-Administration könnten einen gewissen wirtschaftlichen Impuls auslösen. Für ein finales Urteil ist es aber noch zu früh.

Dies gilt auch für den u. E. zu wenig beachteten Katalysator einer erfolgreichen Trumponomics: Den amerikanischen Konsumenten. Diese Kernwählergruppe von Trump, die verunsicherte »ehemalige« Mittelschicht zwischen Ost- und Westküste, könnte, wenn Trump seine Wahlversprechen für diese Gruppe umsetzt, wieder mehr Mut fassen und in der Folge mehr konsumieren. Nirgends funktioniert nämlich der von Ludwig Erhard formulierte Mechanismus immer noch so gut, wie bei dem amerikanischen, vom Traum des sozialen Aufstiegs beseelten Konsumenten: Die Stimmung bestimmt die Wirtschaft.

Dass dieser Katalysator seine volle Wirkung entfalten kann, die durchaus bis zu 2 % BIP-Wachstum über Multiplikatoreffekte ab 2018 betragen könnte, setzt aber voraus, dass die neue US-Administration bei vielen anderen Themen auf den Pfad vernünftigen Agierens einbiegt.

In diesem Sinne sollten wir Europäer mit Blick auf die USA auf das Beste hoffen und auf das Ärgste vorbereitet sein.