MiFID II – Verbraucherschutz über Vertrauensschutz?

Standpunkt - Juni 2017

MiFID II – Verbraucherschutz über Vertrauensschutz?

Dr. Sebastian Klein - Vorsitzender des Vorstands der Fürstlich Castell'schen Bank

Voraussichtlich wird ab 1. Januar 2018 ein Bündel von Regulationen das Wertpapiergeschäft neu ordnen. Diese Vorschriften mit dem sperrigen Titel »Markets in Financial Instruments Directive« (MiFID II) sollen die Wertpapierkunden vor einer Fehlberatung schützen oder sie zumindest in die Lage versetzen, eine solche gegebenenfalls nachzuweisen.

Besonders markant sind die Bestimmungen zur Aufzeichnungspflicht von Fernkommunikation. Das bedeutet in concreto, dass jedes Telefongespräch zwischen Kunde und Berater, das Wertpapierberatungsleistungen zum Gegenstand hat, elektronisch aufzuzeichnen ist. Hier prallen nicht nur Verbraucher- und Datenschutz potentiell aufeinander, sondern der Verbraucherschutz hebelt quasi den Vertrauensschutz aus: Ist denn nicht die Beziehung zwischen Berater und Kunde in Vermögensfragen nur dann intakt, wenn ein (langjähriges) Vertrauensverhältnis besteht? Und wo ist dann die Grenze zu anderen personenbezogenen Dienstleistungen wie etwa dem Anwalt-Mandaten- oder dem Arzt-Patientenverhältnis?

Bei allem Verständnis für das Bestreben der Regulation, Fehlentwicklungen auch in der Wertpapierberatung einzudämmen – das Beratungsprotokoll lässt grüßen –, so hat MiFID II das Potential, das für Deutschland kennzeichnende Wertpapierberatungsgeschäft (Wertpapiertransaktion ist das Resultat gemeinsamer Beratung von Kunde und Berater) deutlich zu erschweren. Mit Blick auf die Vertreter angelsächsischer Provenienz mit ihrer
eher vermögensverwaltenden Tradition (der Kunde delegiert einzelne Wertpapierentscheidungen an den Vermögensverwalter) in den entsprechenden Beschlussgremien zu MiFID II gilt wohl: »Ein Schelm, der Böses dabei denkt«.

Ganz zu schweigen von der zu Recht oft beklagten mangelnden Wertpapierkultur in Deutschland, deren Nachteil besonders in Nullzinsphasen merklich zum Tragen kommt.

Wenn das Gesetz kommt, was ist die Lösung? Vermögensverwaltung und vermögensverwaltende Fonds. Diese bieten sich allerdings nicht nur mit Blick auf MiFID II an. Eine Delegation der Wertpapiereinzelentscheidung nach zuvor klar vereinbarten und vertraglich festgelegten Grundsätzen ist nach unserer Überzeugung auch deshalb sinnvoll, weil eine zeitnahe Reaktion im immer dynamischen Umfeld und ein Fokus auf eine möglichst
breite Asset Allokation wesentliche Erfolgsfaktoren des realen Vermögenserhalts sind.

Die Vermögensverwaltung führt dann zu einer Renaissance des Vertrauens. Im Wertpapiergeschäft ist die Vermögensverwaltung die Königsdisziplin eines vertrauensvollen Verhältnisses zwischen der Bank und ihren Kunden, die die einzelnen Wertpapierentscheidungen an die Bank übertragen im Vertrauen darauf, dass diese quasi treuhänderisch die zuvor vereinbarten Leitlinien umsetzt. Obgleich wir also den Misstrauensaspekt von MiFID II bemängeln, begrüßen wir den daraus resultierenden Effekt der Renaissance des Vertrauens durch die Vermögensverwaltung. Gerne informieren wir Sie in einem persönlichen Gespräch über die Details hierzu.