Ein Plädoyer für die Vermögensverwaltung

Standpunkt - Oktober 2017

Ein Plädoyer für die Vermögensverwaltung

Dr. Sebastian Klein - Vorsitzender des Vorstands der Fürstlich Castell'schen Bank

An dieser Stelle hatten wir vor einigen Ausgaben schon auf die neuen gesetzlichen Bestimmungen („MiFID II“) hingewiesen. Diese ab 1. Januar 2018 umzusetzenden neuen Vorschriften für das Wertpapiergeschäft werden – so die damalige und heutige These – das Wertpapierberatungsgeschäft „in neuem Licht“ erscheinen lassen und in der Tendenz werden damit vermögensverwaltende Anlagekonzepte stärker in den Mittelpunkt des Kundeninteresses rücken.

Für diese Tendenz sprechen neben regulatorischen Gründen auch einige strukturelle Überlegungen. Um diese einzuordnen, ist eine kurze Beschreibung des Unterschiedes zwischen Wertpapierberatung und Vermögensverwaltung nützlich. In der klassischen Wertpapierberatung werden Kauf-, Verkaufs- und Halteentscheidung vom Kunden auf Basis der Beratung durch die Bank getroffen. Demgegenüber delegiert der Kunde bei der Vermögensverwaltung diese Entscheidungen an die Bank auf Basis zuvor festgelegter vertraglicher Rahmenbedingungen. Was spricht nun aus Kundensicht für eine Delegation und damit vielleicht eine (vermeintliche) Aufgabe von Einfluss?

Zum einen kann ein Kunde sich damit Zeit sparen, da er sich nicht um die einzelnen Dispositionen kümmern muss. Zum zweiten gewinnt er an Geschwindigkeit, gerade bei stark schwankenden Kapitalmärkten, da Kapitalmarktexperten in der Vermögensverwaltung die Kapitalmärkte fortlaufend beobachten und – wo nötig – zeitnah agieren. Drittens haben Vermögensverwaltungen sui generis ihren Fokus auf einer optimalen Verteilung der Anlagegelder auf die verschiedenen Anlageklassen (z. B. Aktien, Renten, Liquidität). Studien belegen, dass der Beitrag dieser Entscheidungen zur Entwicklung des Portfolios oft eine größere Bedeutung hat als die Einzeltitelentscheidung. Viertens bieten Vermögensverwaltungen die Chance, sich von individuellen Fehleinschätzungen ein Stück weit zu befreien. Oft nämlich tut man sich bei selbst (mit-)getroffenen Entscheidungen schwer, diese rechtzeitig zu revidieren, da man sich keine Fehler eingestehen möchte. Ein typisches Beispiel hierfür ist die weit verbreitete Tendenz, einzelne Aktien erst dann wieder zu verkaufen, wenn sie ihren Einstandspreis erreicht haben, unabhängig von den fundamentalen Einschätzungen. Schließlich kann der Kunde bei einer Vermögensverwaltung, wenn er es wünscht, eine performanceabhängige Vergütungsstruktur wählen und so die „festen“ Kosten reduzieren sowie im Gegenzug den Vermögensverwalter erst dann stärker entlohnen, wenn eine zuvor gemeinsam definierte Renditeschwelle überschritten wurde.

Alle diese möglichen vorteilhaften Aspekte werden in unserem Haus um Transparenz und Flexibilität ergänzt. Mit unserem Online-Banking ermöglichen wir dem Kunden einen täglichen Blick auf das Depot. Zudem ergibt sich – sofern erforderlich – durch die jederzeitige Kündbarkeit des Vermögensverwaltungsvertrages eine hohe Flexibilität.