Nibelungentreue – Nibelungenleid

Marktkommentar - Februar 2015

Nibelungentreue – Nibelungenleid

Dr. Achim Hammerschmitt - Leiter Vermögensverwaltung & Fondsmanagement der Fürstlich Castell'schen Bank

Während die Märkte und die internationalen Kommentatoren dem Einstieg in QE (»Quantitative Easing«) applaudieren, kämpft die Bundesbank um das hohe Gut der Geldwertstabilität. Herr Weidmann hat dabei die Rolle eines Hagen von Tronje, der in inniger Nibelungentreue an alten Werten und Vorgehensweisen festhält – dem Auftrag der Bundesbank im Nachkriegsdeutschland. Dabei wird von der deutschen Presse ignoriert, dass sich im Vorfeld der Einführung des Euro dem Pakt für Stabilität die Facette des Wachstums zugesellt hat und daraus ein Pakt für Stabilität und Wachstum wurde. Insofern sind die Interpretationen der Rolle der EZB jenseits der historischen Rolle der Bundesbank möglich und zulässig. So flutet die EZB erneut die Märkte mit Geld und treibt die Aktienmärkte künstlich zu neuen Höchstständen, während der treue deutsche Sparer ohne Verzinsung alleingelassen wird. Dies ist die Lesart weitverbreiteter Medien.

Zum einen jedoch haben die QE-Aktionen in den USA und in Europa nicht zu steigenden Geldmengen und Inflation geführt, zum anderen treiben nach wie vor die Gewinne die Aktienmärkte und nicht die EZB.

Denn Aktienmärkte und ihre Anleger sind nach wie vor in der Lage zu differenzieren. Der deutsche Aktienmarkt hat 2014 deswegen so enttäuscht, weil das zweite Jahr in Folge die Zuwächse bei den Unternehmensgewinnen deutlich unter den Erwartungen blieben. Der amerikanische Aktienmarkt dagegen hat die Erwartungen übertroffen und folgerichtig deutlich bessere Renditen erzielt. Alle Märkte aber sind in ihren Bewertungen nicht einmal am Rande oder in der Nähe der Übertreibungen, wie wir sie zu Beginn des Jahrtausends während der Internet-Blase erlebt haben. Der US-Aktienmarkt, der relativ zum deutschen Markt teurer ist, kann seinen höheren Preis damit rechtfertigen, dass er die erwarteten Gewinne nicht nur zuverlässig geliefert, sondern sie mehrere Jahre in Folge übertroffen hat. Diese Qualität hat ihren Preis.

Doch kehren wir zum deutschen Aktienmarkt zurück. Nach den Gewinn-Enttäuschungen der vergangenen Jahre ist der deutsche Aktienmarkt nur durchschnittlich bewertet. Aufgrund der positiven Faktoren wie niedriger Ölpreis, günstiger Euro, niedriger Kapitalkosten, fiskalischer Rückenwind und die Juncker’schen EU-Konjunkturprogramme sollte es bei deutschen Unternehmen nicht im dritten Jahr in Folge zu einer Enttäuschung kommen. Für den deutschen Anleger, der auf längere Zeit ohne Zinsen auskommen muss, könnte das Zusammentreffen der oben zitierten Faktoren einer glücklichen Fügung gleichkommen. Man möchte den Anlegern also zurufen: »Etwas Mut. Probieren Sie erst einmal eine 10%-ige Aktienquote aus und diversifizieren Sie diese schön. Sammeln Sie Erfahrungen.« Denn Hagen von Tronjes sprichwörtliche Nibelungentreue führte ja bekanntlich nicht zu einem guten Ende.

In unseren Vermögensverwaltenden Fonds beherzigen wir diesen Aufruf und streuen unsere Anlagen international in den Anlageklassen Renten, Aktien und Alternative Investments. Unsere aktuelle Positionierung präferiert neben europäischen Staatsanleihen und Aktien insbesondere auch US-Dollar-Anlagen und ertragsstarke Immobilientitel. Eine Ausrichtung, die unserer konstruktiven Meinung hinsichtlich eines verbesserten realwirtschaftlichen Umfeldes einerseits und der ultraexpansiven Geldpolitik der internationalen Notenbanken und insbesondere der Europäischen Zentralbank Rechnung trägt. Diese Positionierung verhalf uns auch in diesem turbulenten Januar einen erfreulichen Jahresstart zu erzielen. Am aktuellen Rand nutzen wir den Rohstoffpreisverfall, um erste Positionen in diesem Bereich aufzubauen. Die zunehmende Volatilität an den internationalen Finanzmärkten wird uns sicherlich erhalten bleiben. So bleibt zum Beispiel abzuwarten, wie die neue griechische Regierung den Spagat zwischen Kooperation und Konfrontation zur Eurogruppe gestalten wird. Wir erwarten mit unserer Mischung aus chancenreichen Aktieninvestments und stabilisierenden Elementen, wie beispielsweise höher verzinsten Anleihen, für die möglichen Entwicklungen gut positioniert zu sein. Entsprechend sind wir zuversichtlich, auf dieser Basis auch in 2015 robuste Renditen erwirtschaften zu können. Dabei werden wir unseren Weg des konsequenten Risikomanagements mit dem Ziel der langfristigen Wahrung der Vermögenswerte unserer Kunden weiter fortsetzen.