Panta rhei – Alles fließt und verändert sich – Anleihen im Tiefzinsumfeld

Marktkommentar - März 2015

Panta rhei – Alles fließt und verändert sich – Anleihen im Tiefzinsumfeld

Dr. Achim Hammerschmitt - Leiter Vermögensverwaltung & Fondsmanagement der Fürstlich Castell'schen Bank

In den letzten Wochen wurde ich immer wieder von Kunden auf die Verzinsung von Anleihen angesprochen. Der Tenor ging stets in eine Richtung: „Wie kann mit so geringer Verzinsung überhaupt die Verwaltungsvergütung verdient werden? Sind Anleihen unattraktiv? Und fällt damit nicht ein wichtiger Renditebringer der letzten Jahre weg?“ Die Antworten sind: „Anders als bisher. Nein. Und Jein.“ Womit der Anschluss zu unserem Motto Panta rhei gefunden wäre. Denn bei negativer Verzinsung für deutsche Staatsanleihen mit bis zu sechs Jahren Laufzeit, kann man eine Staatsanleihe nicht mehr in das Portfolio kaufen und sie halten bis aus der zehnjährigen eine dreijährige Restlaufzeit geworden ist. Dies wird weder der Kostenstruktur noch den Zielen einer Geldanlage gerecht. Die Lösungen waren bisher: Noch längere Laufzeiten, noch schwächere Bonitäten. So sind mittlerweile die im Hochzinsbereich liegenden BB-Bonitäten die Lieblinge der Anleger und lösen damit die noch im Investmentgrade-Bereich liegenden BBB-Anleihen ab. Euphemistisch werden diese Portfolios dann als Cross-over bezeichnet, aber am Ende des Tages bleibt es was es ist, mehr Risiko bei wenig üppigen Renditen.

Wir glauben, dass man über den Tellerrand hinausblicken muss, um eine nachhaltigere Lösung zu finden. Will man nicht mehr Aktien haben, sondern bei Anleihen bleiben, so bietet es sich an, in anderen Ländern, in anderen, fremden Währungen Anleihen zu kaufen, die höher rentieren als deutsche Staatsanleihen. Das Neue und Heilsbringende aber auch Gefährliche sind dabei die Währungen und ihre Schwankungen. Diese sind nämlich um einen Faktor drei größer als die der Anleihen und beeinflussen das Risikoverhalten deutlich. Damit dies nicht schadet, werden die Währungsrisiken normalerweise gesichert, und der Anleger genießt steilere Zinskurven, höhere Verzinsungen und eine Diversifikation über die unterschiedlichen nationalen Zinszyklen hinweg. Bei ungesicherten Investments zum Beispiel in Anleihen in australischen Dollars musste man im letzten Jahr die Erfahrung machen, dass eine Währung auch deutlich nachgeben kann. Wenn man sich also auf Fremdwährungsanleihen einlässt, muss man entweder die Währungseffekte ausschalten oder sich Gedanken machen, wie man die Währung zuverlässig prognostiziert und managt. Damit steht einem eine Anlage in multinationale Rentenportfolios mit Währungsmanagement offen, die Erträge aus höherer Verzinsung und Währungsbewegungen erzielen kann. Investments in US-Dollar-Anleihen sind derzeit ein Erfolgsfaktor für unsere Geldanlage, aber wir sind uns auch der Risiken bewusst und begleiten unsere Positionen mit Währungsmodellen sowie interner und externer Währungsexpertise.

Wenn wir über traditionelle Anlagen in Euro-Renten kaum Risikoprämien vereinnahmen können, müssen wir versuchen, sie anders oder in anderen Märkten zu vereinnahmen. Dies geschieht über multinationale Anleihenportfolios, die um ein Währungsmanagement ergänzt sind, es kann auch über aktivere Managementansätze in Euro-Renten geschehen. Eines aber ist sicher, Ihre Portfolios werden anders aussehen und dynamischer gemanagt werden, um auch bei diesen Marktvoraussetzungen verantwortungsvolles Risikomanagement mit Rendite zu verbinden. Bei Rentenanlagen wäre also eine etwas zu freie Übersetzung von Panta rhei im Sinne von „alles den Bach runter“ wirklich falsch. Wir sehen „alles im Fluss“ und nehmen die Herausforderungen für Sie gerne an.