Was Bundesanleihen und Gold gemein haben

Marktkommentar - Mai 2015

Was Bundesanleihen und Gold gemein haben

Dr. Achim Hammerschmitt - Leiter Vermögensverwaltung & Fondsmanagement der Fürstlich Castell'schen Bank

Deutsche zehnjährige Bundesanleihen „rentierten“ noch am 20.04.2015 bei 0,07 % p. a., Ende April dann bei 0,16 % und nur eine Woche später bereits bei 0,55 %. Ein solch steiler Renditeanstieg von circa 0,4 % in einer Woche ist selten. Vor allem, wenn kein haussierender Aktienmarkt oder eine Notenbank, die aggressiv die Zinsen erhöht, als Entschuldigung fungieren kann. Man durchlebt so einen kleinen veritablen Renten-Crash. Manche meinen, die Bundesanleihen-Renditen würden noch in den Bereich von 0,8% steigen – in naher Zukunft. Ob man im Rückblick von einem „schwarzen Schwan“, quasi dem GAU am Rentenmarkt wird sprechen können, sei dahingestellt.

Wir Anleger erhalten einmal mehr die Bestätigung, dass sich Märkte, zu unserem Leidwesen, gerne in Sprüngen entwickeln und wie in diesem Falle auch einmal – zumindest gefühlt - in die falsche Richtung springen.

Rendite 10-jährige Bundesanleihen

Was wir im März im Panta Rhei-Beitrag vermutet haben, ist Wirklichkeit geworden. Die nicht mehr existenten Renditen von Anleihen können auch keinen Teilschutz mehr vor Renditeanstiegen liefern. Aber muss uns das sprunghaftere Verhalten der sicheren Bundesanleihen überraschen? Bei genauerem Hinsehen stellen wir in den Charakteristika des „sicheren Hafens“ der Bundesanleihe Ähnlichkeiten mit der Entwicklung beim Gold fest. Beide liefern keine oder kaum noch Zinsen. Beide stehen für Sicherheit. Beide kauft man also jetzt, wenn man auf Kursanstiege setzt, und verkauft sie, wenn man auf fallende Kurse setzt. Wahrscheinlich werden also Bundesanleihen bei niedrigen Renditen Verhaltensweisen an den Tag legen, wie sie das Gold zeigt. Dazu gehören die Sprunghaftigkeit und eine insgesamt höhere Volatilität. Und genau das spüren wir derzeit beim Renten-Crash. Deshalb leiden rentenlastige, defensive Anlageprofile aktuell ungewöhnlich stark.

Wir haben in unseren Vermögensverwaltungen und Vermögensverwaltenden Fonds bereits darauf reagiert und die mittlere Laufzeit bei Rentenpapieren und damit die Zinssensitivität von knapp sechs Jahren auf unter drei Jahre mehr als halbiert. Das Risiko bei den Rentenpapieren wurde damit deutlich gesenkt. Somit konnte der gefährliche Gleichschritt von Rentenmärkten und Aktienmärkten hin zu tieferen Kursen größtenteils ausgeschalten werden. Das haben wir, ehrlicherweise, nicht ganz freiwillig gemacht. Bei den defensiven Anlageprofilen sprach aufgrund des gleichzeitigen massiven Verfalls bei Aktien und Renten bereits am Monatsanfang unser Risikosystem an und befahl uns, Aktien und Zinsrisiken zu reduzieren. Wie Sie sehen, leben wir unser Risikomanagement und verbreiten es nicht nur in unseren Imagebroschüren. Wenn Sie uns nach unserer ökonomischen Einschätzungen fragen, so erwarten wir, dass die Korrektur bei den Aktien nur vorübergehender Natur sein wird, da Rezessions-Ängste in den USA überzogen sind und sich die Eurozone gut entwickelt. Bei den Renten sind wir uns da nicht so sicher. Vielleicht haben wir Mitte April das Ende einer dreißigjährigen Rentenmarkt-Hausse erlebt. Aber ob dies der Fall ist oder das Kaufprogramm der EZB die Renditen im Laufe der nächsten Monate wieder wird deutlich senken können, wird uns erst die Zukunft zeigen.