Endspiel – »Medizin muss bitter schmecken, sonst nützt sie nichts«

Marktkommentar - Juni 2015

Endspiel – »Medizin muss bitter schmecken, sonst nützt sie nichts«

Dr. Achim Hammerschmitt - Leiter Vermögensverwaltung & Fondsmanagement der Fürstlich Castell'schen Bank

Ein Zitat aus dem Kultfilm »Die Feuerzangenbowle«. Dort gelingt es dem Schriftsteller Hans Pfeiffer (»mit drei f«) die Schulleitung zu täuschen und die Schulromantik zu erleben. Der Film endet natürlich mit einem wunderschönen Happy End. Auch Griechenland hat sich unter Täuschung der Mitgliedsländer einen Platz in der Klasse der Euro-Länder erschlichen. Doch anders als im Film enttarnte die Finanzkrise die Tricks der Griechen und legte die Dysfunktionalität ihres Staatswesens offen.

Jetzt ist es so ernst wie nie. Wir gehen in die letzte und entscheidende Runde im Drama um Griechenland. Das Land ist bankrott und kann ohne Hilfe von außen – also der Eurozone – nicht mehr überleben. Nachdem Rentenkassen und die Liquidität der kommunalen Haushalte geplündert wurden, verbleibt nicht mehr genug für die Zahlungen an die Gläubiger oder für Gehaltszahlungen an die Staatsdiener Griechenlands am Monatsende.

Für die Bevölkerung ist das bitter, denn sie trug die Last, die mit den Sparbemühungen der Vorgängerregierungen und der Troika dem Land als bittere Medizin verschrieben wurde. Die Reichen Griechenlands hat es weniger gekümmert, da sie dort bekanntlich keine Steuern zahlen. Mit Syriza, Tsipras, Varoufakis und Co. sollte sich das ändern. Der Linkspartei hätte man zutrauen können, viele Milliarden an Steuerschulden auch und besonders bei den Reichen des Landes einzutreiben. Leider mussten die Retter Griechenlands feststellen, dass die neue Regierung eher uns als »die Reichen« ansieht und zur Kasse bitten will, als ihre eigenen säumigen Steuerzahler. Verhandelt wird dabei in schier unerträglicher Diktatoren-Manier: »Annehmbar ist nur, was zu 100 % meinen Vorstellungen entspricht. Alles andere ist Provokation«. Gedroht wird mit dem GrExit, der einen »Lehman-Moment« auslösen würde und die Eurozone in den Untergang und die Kapitalmärkte in die Krise werfen würde. Dieses Drohen – ja Erpressen – ist nicht akzeptabel. Erfreulicherweise wurde das den Griechen relativ schnell klargemacht. Es wird also auf einen Kompromiss hinauslaufen, der beiden Seiten weh tut – oder für Griechenland in einer Tragödie enden wird. Für Europa wäre ein Scheitern auch deswegen gefährlich, weil ein gescheiterter Staat (»Failed State«) für die Idee eines geeinten Europa äußerst bedenklich wäre und sicherheitspolitisch eine Tür für die Einflussnahme zum Beispiel Russlands oder Chinas öffnen würde.

Dass ein GrExit und sogar nur die Angst davor die Märkte durchschütteln kann, erleben wir gerade. Die Volatilität in allen Marktsegmenten ist seit Mitte April deutlich angestiegen: Bei Aktien, Anleihen, Zinsen und Währungen. Wir spüren das ebenfalls in unseren Vermögensverwaltungen und liegen unter den Rendite-Höchstständen des Jahres. Dem steuern wir entgegen, indem wir zum einen eine höhere Kasseposition als gewöhnlich halten und zum anderen die Risikofaktoren wie Währungen, Laufzeit bei Anleihen und Aktienquote aktiv managen. So sind wir auf der Aktienseite leicht defensiv positioniert, wobei wir insbesondere euroländische Aktien »schonen«, halten unsere Anleihenlaufzeit normal und managen unsere Währungspositionen konsequent, um deutliche Verluste zu vermeiden.

Sollte es zu einer Einigung mit Griechenland kommen, werden die Aktienmärkte haussieren, der Euro zur Schwäche neigen und die Volatilität leicht nachlassen. Bei einem Scheitern werden wir zumindest kurzfristig weitere Verluste am Aktienmarkt sehen. Ob der Euro stärker wird, ist dabei schon schwieriger zu beurteilen. Aber einhergehen wird dies mit einer hohen Volatilität. Wie lange so eine Phase andauern kann, wird davon abhängen, wie schnell die Schäden in der Bankenwelt, bei Versicherungen oder Unternehmen ersichtlich sind und wie hoch diese ausfallen. Doch wie das Endspiel um Griechenland auch ausgeht – alle werden am Ende eine bittere Medizin schlucken müssen oder geschluckt haben. Und in Anlehnung an die Feuerzangenbowle hoffen wir, dass es allen nutzt.

Unsere Aufgabe ist es dabei, Ihre Geldanlage gut durch das heftige Fahrwasser zu bringen und unser erstes Ziel des Kapitalerhalts nicht aus den Augen zu verlieren. Ist das erreicht, werden wir daran gehen, entstandene Renditechancen im Rahmen des Risikobudgets wahrzunehmen.