Wenn zwei das Gleiche tun ...

Marktkommentar - September 2015

Wenn zwei das Gleiche tun ...

Dr. Achim Hammerschmitt - Leiter Vermögensverwaltung & Fondsmanagement der Fürstlich Castell'schen Bank

Was für ein Monat liegt hinter uns! Der DAX verliert mehr als 9 %, der amerikanische Aktienmarkt gemessen am S&P 500 auch immerhin 6,3 %. Und wer oder was war Schuld? Natürlich China.

Losgetreten hat den Kurssturz eine überraschende Entscheidung der chinesischen Regierung und der Notenbank, den Renmimbi gegenüber dem US-Dollar abzuwerten. Doch noch bevor die Marktteilnehmer dies verdaut hatten, kam die nächste Überraschung: Der Renmimbi wurde nun, anders als früher, als der Kurs quasi an den US-Dollar fest gekoppelt war, teilweise den Marktkräften überlassen. Das führte zu weiteren Abwertungen.

Eigentlich ist solch ein Liberalisierungsschritt hin zu einer frei konvertierbaren Währung zu begrüßen. Zusammen mit den Börsenturbulenzen der letzten Monate, den schwachen Wirtschaftsdaten der letzten Wochen und der gerade einen Tag zuvor erfolgten Abwertung, sahen die Marktteilnehmer darin die Vorboten weiterer wirtschaftlicher Schwäche und weiterer Turbulenzen – und verkauften. Eine gewollte Folge der Währungsabwertung ist natürlich, dass chinesische Waren und Dienstleistungen entsprechend günstiger werden, was in den importierenden Ländern zu sinkenden Preisen und damit geringerer Inflation führt.

China exportiert mit der Währungsabwertung einen deflationären Impuls in die globale Wirtschaft, der zum Beispiel auf eine zu schwache Inflation in Deutschland und in der Eurozone trifft und somit wieder das Gespenst einer Deflation erwachen lässt. Zudem wird mit geringerem Inflationsauftrieb auch einer Zinserhöhung in den USA wieder etwas mehr die Berechtigung entzogen. Dies wiederum verändert das Zinsgefälle zwischen den USA und der Eurozone und der Euro wird gegenüber dem US-Dollar aufgewertet. Beides, niedrigere Inflationserwartungen und ein stärkerer Euro kann der EZB nicht gefallen.

Doch zurück zur Währungsabwertung zur Unterstützung des Exports und des Wachstums. Diese war offensichtlich nötig geworden, da der über die letzten zwei Jahre deutlich aufgewertete Renmimbi die chinesische Wirtschaft zusehends belastete. Und so griff man, ähnlich wie die USA und Großbritannien in der Finanzkrise, die Japaner Ende 2012 und die Eurozone im Augenblick, zum Instrument der Währungsabwertung, um die relative Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen. Da die Währung relativ zur Währung eines anderen Landes abgewertet wird, verschlechtert sich die Wettbewerbsposition des anderen Landes natürlich entsprechend. Man finanziert sein Wachstum zumindest zum Teil auf Kosten der Anderen. Wie der G20 Gipfel am vergangenen Wochenende aber gezeigt hat, ist es nicht das Gleiche wenn zwei das Gleiche tun. Im Falle Chinas fand es Missbilligung vor allem von Seiten der Amerikaner und anderen Ländern. Und die Befürchtung, dass auch andere Schwellenländer dieses Instrument zur Wachstumsstärkung einsetzen könnten, erzeugte Ungewissheit. Und Ungewissheit wird an den Börsen in Verkaufsorders übersetzt.

Doch sieht alles so schlimm aus, wie es teilweise kolportiert wird? Sind die Befürchtungen einer globalen Rezession berechtigt? Wir meinen: Nein. Auch wenn China Anpassungsprobleme hat, so wird die Wirtschaft noch mit 6–6,5 % realem Wachstum glänzen können. Und auch für die USA, die globale Wachstumslokomotive, sehen wir keine Anzeichen für eine beginnende Wachstumsschwäche oder gar Rezession. Ein typischer Frühindikator für Schwierigkeiten sind die Verkaufszahlen für Automobile und diese haben gerade neue Rekordstände erreicht. Nichtsdestotrotz werden aber in den kommenden Wochen eher schlechtere Zahlen aus China kommen und die Währung weiter abgewertet werden. In dem Maße aber wie diese neue Normalität in die Erwartungen der Marktteilnehmer eingearbeitet wird, wird die Schwankungsbreite der Aktienmärkte sinken und wird die günstige Bewertung, beispielsweise auch deutscher Aktien, die Motivation erzeugen, wieder Aktien zu kaufen.

Bis dahin werden wir, wie in unserem Anlagekonzept verankert, unsere nach dieser dramatischen Episode geschrumpften Risikobudgets weiter konsequent verteidigen und erst bei einer Normalisierung wieder vermehrt Chancen bei Aktien suchen.