Gretchenfrage – Wie hältst du's mit der Volatilität

Marktkommentar - November 2015

Gretchenfrage – wie hältst du's mit der Volatilität?

Dr. Achim Hammerschmitt - Leiter Vermögensverwaltung & Fondsmanagement der Fürstlich Castell'schen Bank

In den letzten Wochen gab es endlich von vielen Seiten Unterstützung für die verunsicherten Märkte. Die ökonomischen Daten für die USA zeigten für das endende dritte und beginnende vierte Quartal, dass eine stärkere Konjunktureintrübung nicht zu erwarten ist und wir 2015 wohl mit 2 %–2,3 % realem Wachstum abschließen können. Sekundiert von der EZB und der chinesischen Notenbank, die durch Ankündigung einer Ausweitung der Kaufprogramme (QE – Quantitative Easing) einerseits und Zinssenkungen andererseits Balsam für die Wunden der Anleger bedeuteten, konnten sich die Aktienmärkte vor dem Hintergrund einer zufriedenstellenden Unternehmensgewinn-Berichterstattung deutlich erholen.

Für den Anleger stellt sich die zurückliegende Periode mit ihren extremen Schwankungen zwiespältig dar. Nach so viel »rauf und runter« sind insbesondere die Anleger, deren Manager Augen zu und durch predigen und in jeder Marktkorrektur eine Kaufgelegenheit sehen, nicht so sicher ob oben, wo man sich gerade wähnt, auch tatsächlich oben ist oder ob es übermorgen bereits wieder nach unten geht.

Dies ist eine Folge der übergroßen Volatilität, die solche Anlagestrategien explizit akzeptieren, um ihre Renditechance zu optimieren. Derzeit geben die Erholung und die erwartete Rettung durch die Notenbanken diesem Anlegerlager durchaus recht. Hier waren schlechte Nachrichten gute Nachrichten, weil diese die Notenbanken zu Interventionen gebracht haben und danach der geradezu klassische Pawlow’sche Reflex der Marktteilnehmer, der in verschiedenen Ländern mit verschiedenen QE-Programmen antrainiert wurde, einsetzte und risikobehaftete Anlagen wie Aktien, wie erlernt, beflügelte.

Die Notenbanken haben uns Anleger also über die Jahre so konditioniert, dass wir Anleger eine Herde bilden und bei Ausbleiben des vereinbarten Reizes verkaufen und bei Einsetzen des Reizes wieder kaufen. Die Konsequenz ist hohe Volatilität. Und die Konditionierung weiter Teile der Marktteilnehmer wird dafür sorgen, dass die Volatilität hoch bleibt. Davon gehen auch unsere Risikoschätzungen aus, die sich seit Ausbruch der jüngsten Verwerfungen im August immer noch auf Höchstniveaus bewegen. Angesichts der gr0ßen Schwankungen stellt sich für jeden Anleger die Frage »Wie halte ich es mit der Volatilität?«

Wir sind nicht bereit Volatilitäten im zweistelligen Prozentbereich für eigentlich konservative oder ausgewogene Anlageprofile auch nur mittelfristig zu akzeptieren. Wir managen diese Art der Risiken und begrenzen sie. Dies ist schon deswegen sinnvoll, weil Volatilität als Signalgeber für Aktienquoten allein schon werthaltig ist. Dies ist vor allem aber auch sinnvoll, weil wir mit Ihnen Risikobudgets vereinbart haben und wir bei hohen Schwankungen (Volatilitäten) diese immer weniger sicherstellen können. Ich kann mich in meinem Investmentleben nur an eine Zeit erinnern, in der die Aktienmärkte bei hoher Volatilität angestiegen sind – das war die Endphase der Dot.com-Blase von 1998 bis 2000. Zu welchem Ende das führte, wissen wir alle. Man mag einwenden, dass dieses Mal »alles anders« ist, dass die Hausse dem sechsten Jahr ein siebentes Jahr folgen lässt. Das stimmt wahrscheinlich, aber wie Mark Twain einst bemerkte »Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich«.

Krisen sind in vielerlei Hinsicht Bewährungsproben und Stunden der Wahrheit. Bei persönlichen Krisen zum Beispiel erweist sich der Freund in der Not als wahrer Freund oder wie es unsere angelsächsischen Verwandten formulieren »A friend in need is a friend indeed«. Und getreu diesem Motto können Sie auch bei weiteren Krisen oder Fast-Krisen damit rechnen, dass wir, wie vereinbart, Risiken managen und in Ihren Portfolien begrenzen. Erst ex post werden wir es alle (besser) wissen, ob die angenommenen und erwarteten Risiken schlagend geworden sind oder nicht. Wir werden, wie versprochen, für den Erhalt Ihres Kapitals und den Erhalt erreichter Renditen eher einmal zu viel auf die Bremse treten, als das entscheidende Mal zu wenig.