Rückblick 2015 – Ausblick 2016

Marktkommentar - Dezember 2015

Rückblick 2015 – Ausblick 2016

Dr. Achim Hammerschmitt - Leiter Vermögensverwaltung & Fondsmanagement der Fürstlich Castell'schen Bank

Langsam geht ein Jahr zu Ende, das es in sich hatte und vielen Anlegern sowie uns Portfoliomanagern, die wir uns um die Anlage Ihrer Gelder kümmern, schlaflose Nächte und einige graue Haare beschert hat. Einerseits hadern wir angesichts der vielversprechenden Höchststände innerhalb des Jahres mit dem Endergebnis, andererseits hätte es auch deutlich schlechter ausfallen können, wie das Gros der Vermögensverwalter bewiesen hat. Was nehmen wir jetzt aus dem Jahr 2015 mit, und wie kann sich das Jahr 2016 darstellen?

Die Zeit der perfekten Märkte mit guten Renditen und niedrigen Schwankungen ist vorbei. Wachstumszahlen mussten rund um den Globus sukzessive nach unten korrigiert werden. Die Erwartungen für 2016 sind in dieser Hinsicht mit global 3,3 % bis 3,6 % Wachstum vor Inflation schwach und nahe den Grenzen, die man als Rezession bezeichnet. Handel und Frachtraten sind ebenso auf dem Rückzug wie der Ölpreis und der Goldpreis. Für die Eurozone erwarten wir, was Wachstum betrifft, ein weiteres ähnlich gutes Jahr wie 2015, das erst gegen Jahresende etwas an Schwung verlieren wird.

Noch im Dezember 2015 wird mit den USA das erste Land nach der Finanzkrise die Zinsen erhöhen. Die US-Notenbank FED hält die wirtschaftliche Entwicklung für robust genug, einen solchen Schritt zu wagen. Die Briten werden mit sechs bis neun Monaten Verzögerung wohl folgen. Damit manifestiert sich eine Divergenz zwischen den Notenbanken, die die Währungsmärkte bereits seit einiger Zeit bewegt: Länder wie USA und Großbritannien, die die Zinsen erhöhen, und Länder wie Japan oder die Eurozone, wo mittels Kaufprogrammen, »Quantitative Easing« genannt, ganze Zinskurven nach unten und zum Teil sogar in den Bereich negativer Renditen gedrückt werden – quasi als Ersatz für Zinssenkungen. Für die Währungen sollte das bedeuten, dass der US-Dollar und das britische Pfund zur Stärke tendieren dürften, während der Euro schwächer wird.

Die Auswirkungen dieser Lage für Wachstum und Zinsen auf die Verdienstmöglichkeiten der Unternehmen werden spürbar sein. Für die USA erwarten wir eher mittleres Wachstum bei den Unternehmensgewinnen, was sich angesichts der Bewertungen (Kurs-Gewinn-Verhältnisse) in einer moderaten Aktienmarktentwicklung niederschlagen dürfte. Allerdings sind die Amerikaner immer auch für positive Überraschungen gut, weil sie im Sinne der Schumpeter’schen »kreativen Destruktion« schnell unprofitable Geschäftsteile schließen (oder sie an Europäer verkaufen) und in die Segmente ihres Geschäfts investieren, die gute Profite und eine Zukunft versprechen. Für Europa sieht es bei den Gewinnwachstumserwartungen etwas schwächer aus, wobei andererseits die Bewertungen deutlich attraktiver sind. Also hier Vorteil Europa.

Das alles wird gewürzt mit höherer Volatilität in allen Assetklassen. Unsere Erwartungen sehen daher für Aktien nur Renditen von 6 % bis 8 % und für Renten Renditen von etwa 2 % für 2016 voraus. Im Zusammenspiel aber werden die Assetklassen am Ende für mehr Ruhe sorgen als ein völliger Verzicht auf Renten und stattdessen eine Investition in Kasse und etwas mehr Aktien. Man kann das mit einem Katamaran vergleichen, der bei guter Geschwindigkeit einen Rumpfteil aus dem Wasser hebt. Wenn man dann das Gewicht des Katamarans reduzieren könnte, indem man dieses Rumpfteil los wird, könnte man hoffen schneller unterwegs zu sein. Jedoch das Gegenteil ist richtig, der Schwerpunkt des Schiffes verschiebt sich, das Segel dreht aus dem Wind und das Boot wird langsamer. In Analogie zu diesem Bild werden wir deshalb auch die niedrig rentierlichen Renten nicht über Bord werfen, sondern hoffentlich ähnlich erfolgreich einsetzen wie unser internationales Rentenportfolio, das bei einer vergleichbaren Ausgangslage Anfang 2015, was niedrige Renditen betrifft, immerhin knapp drei Prozent Rendite erwirtschaften konnte. Auch das kommende Jahr 2016 wird damit nicht arm an Herausforderungen sein. Wir freuen uns, diese für Sie mit unserem risikokontrollierten Anlageprozess zu begleiten und zu managen.

Ihnen und Ihren Lieben wünschen ich und das gesamte Casteller Team ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Start in das Jahr 2016.