Der Blick in die Glaskugel - Was erwartet uns die nächsten Jahre?

Marktkommentar - Juni 2016

In regelmäßigen Abständen begutachten wir unsere Ertragserwartungen für Anlageklassen und -segmente, um unseren Anlegern eine Vorstellung an die Hand zu geben, welche Renditen für unsere Vermögensverwaltungen für die nächsten Jahre realistisch erwartet werden können. Das hier wiedergegebene Szenario geht nicht davon aus, dass die Welt untergeht oder sich alle Herausforderungen in Wohlgefallen auflösen, sondern, dass sich die Lage über die nächsten fünf Jahre schrittweise normalisiert. Hierzu widmen wir uns unserem Basis-Szenario, um aus diesem heraus auf systematische Weise Szenarien abzuleiten und zu bewerten.

Besonders wichtig sind dabei für uns konservative Anleger die Anleihen. Hier gehen wir zinsseitig von einem insgesamt moderaten Anstieg der Rendite für zehnjährige Bundesanleihen in den Bereich von 0,9 % und für US-Zehnjährige von 3,2 % aus. Bei Unternehmens- und Hochzinsanleihen erwarten wir erhöhte Kreditausfallraten, insbesondere in den USA. Trotz der erhöhten Ausfallraten sind die Erwartungen für Hybriden und Hochzinsanleihen dennoch bei circa 6 % p. a. Mit unserer Standardmischung für unser Rentenportfolio1 erhalten wir für die Anleihen der Eurozone immerhin noch eine Renditeerwartung von 1,4 % p. a., für den US-Markt sogar von 2,6 % p. a. Das ist zwar deutlich weniger als man in der Historie verdienen konnte, aber definitiv mehr, als mit dem Halten von Kasse zu erzielen ist. Dies verdeutlicht, dass die Internationalisierung des Rentenportfolios positiv für den Anleger wirkt. Bei einer Mischung von 70 % Eurozone und 30 % Internationale Renten, wie USA, UK, Neuseeland, erwarten wir für unsere Rentenanlagen eine Rendite von 1,7 % p. a.

Auch bei Aktien zeigen sich die Bremsspuren des gesunkenen Zinses, der niedrigeren Inflation und des geringeren Wachstumsniveaus. Zweistellige Renditen kann man in relativ günstigen Märkten wie den Schwellenländern und Japan erwarten, für Europa und USA wird man sich, trotz guter Dividendenrendite, aufgrund der leicht erhöhten Bewertungen mit 6–7 % p. a. begnügen müssen. Für unser global diversifiziertes Aktienportfolio2 ergibt sich immerhin noch eine Rendite von 8,6 % p. a.

Hinsichtlich der Alternativen Investments sehen wir Chancen vor allem bei den dividendenstarken REITs (liquide Immobilien, global). Rohstoffe werde langfristig von Inflations- und Wachstumserwartungen getrieben, weshalb wir in einer Welt des niedrigen Wachstums und der Deflationsgefahren geringere Renditen erwarten müssen als in der Vergangenheit. Wenig davon betroffen sind die marktunabhängigen Strategien, von denen wir annehmen, dass sie ihre Risikoprämie über die nächsten fünf Jahre erwirtschaften können. Zusammengefasst erhält man im Bereich der Alternativen Investments damit immerhin 5,7 % p. a., was deren Bedeutung wesentlich unterstreicht.

Zusammen mit leichten Währungsgewinnen aufgrund eines moderat schwächeren Euros, wir gehen hier von Eurokursen in der Nähe der Parität gegenüber dem US-Dollar aus, erhalten wir für unsere Vermögensverwaltungen und  Vermögensverwaltenden Fonds folgende Ertragserwartungen nach Kosten:


Defensiv 2 % − 2,5 %
Ausgewogen 3,5 % − 4 %
Dynamisch 5 % − 5,5 %
Offensiv 6,5 % − 7 %


Diese liegen nominal circa 1–1,5 % niedriger, als wir noch bei der Auflage unserer ersten beiden Vermögensverwaltenden Fonds im Sommer 2012 erwartet haben. In Kaufkraft gerechnet, also bei den realen Renditeerwartungen nach Abzug der Inflation, hat sich dagegen kaum etwas geändert. Die nominalen Erwartungen 2012 waren zwar höher als die aktuellen, mussten aber auch eine deutlich höhere Inflation ausgleichen. Sollte sich die Welt besser entwickeln als eingeplant, werden wir uns über höhere Renditen freuen können. Sollte die Welt sich aber zuungunsten verändern, werden wir mit unserem risikokontrollierten Ansatz das Schlimmste für die Anleger zu verhindern wissen. Neben den langfristigen Überlegungen beschäftigen uns natürlich auch die kurzfristigen Entwicklungen. Hier verfolgen wir mit Sorge die Umfrageergebnisse von der britischen Insel. Den mittlerweile doch deutlich erhöhten Austrittswahrscheinlichkeiten haben wir Rechnung getragen, indem wir Risiken in Anleihen der Peripherie reduziert und ergänzend sichere Anlagen, wie Gold und Bundesanleihen, in unseren Portfolios weiter gestärkt haben.


¹ Renten: 65 % Staatsanleihen, 25 % Unternehmensanleihen guter Bonität, 5 % Hybride
   Anleihen,  5 % Hochzinsanleihen
² Aktien: 50 % Europa, 25 % Nordamerika, 10 % Japan/Pazifik, 15 % Schwellenländer