Die üblichen Verdächtigen.

Marktkommentar - August 2016

Aktienmärkte und die Stimmung von Investoren sind zwei unberechenbare Dinge. Nur wenige Wochen sind seit dem Brexit-Votum verstrichen und die Aktienmärkte stehen deutlich besser da. Der DAX nähert sich langsam dem Schlusskurs des vergangenen Jahres und die Märkte in den USA setzen neue Allzeithochs. Und das in der Sommerzeit, die, wie Sie bereits gelesen haben, eher eine unersprießliche Zeit für die Geldanlage ist.

Haben sich die volkswirtschaftlichen Daten verbessert? Eigentlich eher das Gegenteil. So hat das US-Wachstum im zweiten Quartal ebenso enttäuscht, wie die Im- und Exporte der Chinesischen Volkswirtschaft. In den USA wurden annualisierte 2,4 % reales Wachstum im zweiten Quartal erwartet. Die erste offizielle Schätzung ergab jedoch nur 1,2 %. Und in China schrumpfen die Im- und Exporte mit einer Jahresrate von -12,5 % bzw. -4,4 %. Europa versucht immer noch die möglichen Folgen des Brexits zu erfühlen, was die Stimmungsbarometer wie den ZEW-Index gen Süden schickt. Auch Öl ist wieder schwächer und in den Bereich zwischen 40 und 45 $/Barrel gerutscht.

Und die Unternehmen? Die haben relativ gut berichtet, was, wie man auch aus dem Song »Relativ« der außerordentlichen deutschen Pop-Gruppe »Wise Guys« kennt, einen Bezug erfordert. Relativ gut heißt also relativ zu den Erwartungen. Da diese aber sehr niedrig waren, ist das ehrliche Ergebnis eher nüchtern zu beurteilen. In Europa haben wir seit Jahren kein Gewinnwachstum sondern eher Gewinnschwund. So sind die Gewinne der letzten 12 Monate immer noch knapp 7 % unter den Gewinnen des Jahres 2015. In den USA sieht es zwar besser aus, aber auch hier haben die Gewinne gerade erst die Trendwende geschafft und das Niveau von vor 12 Monaten erklommen. Für den deutschen Aktienmarkt, gemessen am DAX, sieht es etwas besser aus. Hier liegen die Gewinne der letzten 12 Monate circa 3 % über den Gewinnen der davorliegenden 12 Monate und immerhin auf dem Niveau des Kalenderjahres 2015.

Dann bleibt eigentlich nur noch der Einfluss der Notenbanken. Und hier werden wir endlich fündig. Neben der japanischen Notenbank und der EZB hat sich die Bank of England zu weiteren Zinssenkungen und Käufen von Anleihen (Quantitative geldpolitische Lockerung) bekannt. Sie will damit den befürchteten Abschwung der britischen Wirtschaft aufgrund des Brexit-Votums abfedern. Und die US-Notenbank hat nach dem britischen Referendum signalisiert, dass sie vorsichtig vorgehen wird, was die Erwartungen der Marktteilnehmer für eine weitere Zinsanhebung tief in das Jahr 2017 verschoben hat. Eine ausgefallene vorher erwartete Zinsanhebung ist eben in der Logik der Märkte genauso gut wie eine Zinssenkung. Und die Märkte reagieren auf diesen Reiz im klassischen Pawlow’schen Sinne. Sie kehren zur erlernten Konditionierung zurück und kaufen risikoreichere Anlagen. Dabei wird ausgeblendet, dass sich die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen eher verschlechtert und die Lage der Unternehmen eher nur stabilisiert haben. Der notenbankbedingte Impuls kann daher angesichts des sommerlich typisch dünnen Handelsvolumens noch weiter tragen, aber wir müssen für die nächsten Monate eine Rückkehr zu den unangenehmen Realitäten dieser Welt befürchten, die sich durch die drei P’s in Profitabilität, Profit und Politik zusammenfassen lassen.

Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir im Vorfeld des Brexit-Votums defensiver geworden sind und dann nach dem Referendum unsere risikoreicheren Positionen wieder aufstocken konnten und daher gut von der gegenwärtigen Entwicklung an den Aktien und Kreditmärkten profitieren. Auch haben wir Anlageelemente gestärkt, die in der von uns erwarteten breiten Seitwärtsbewegung unsere Rendite aufbessern können. Aber die Sommermonate sind nicht ohne Gefahren, wie wir alle schmerzlich im letzten August erneut erfahren haben und so werden wir bei der Anlage Ihrer Gelder auch die Risikoaspekte nicht aus den Augen verlieren.