Das Bessere ist der Feind des Guten

Standpunkt - April 2015

Das Bessere ist der Feind des Guten

Dr. Sebastian Klein - Vorsitzender des Vorstands der Fürstlich Castell'schen Bank

Vielleicht haben Sie es bemerkt, vielleicht ist es Ihnen entgangen. Am 16. März 2015 begingen wir in Deutschland – initiiert durch die Deutsche Börse – den „Tag der Aktie“. Ziel dieser öffentlichkeitswirksamen Aktion war es, einen Impuls zur Förderung der Aktionärskultur in Deutschland zu setzen. Und in der Tat mag es dafür gute Gründe geben, mit Blick auf die geringe Aktionärsquote in Deutschland, die in den letzten Jahren noch deutlich gesunken ist: So ist nach Erhebungen des Deutschen Aktieninstituts die Zahl der deutschen Aktionäre und Aktienfondsbesitzer von knapp 13 Millionen im Jahr 2001 auf unter 9 Millionen zurückgegangen.

So sehr wir solide Aktien für einen nahezu unverzichtbaren Teil eines langfristig orientierten Anlageportfolios sehen, so sehr fragen wir uns, ob die Aktionärskultur durch plakative, singulär auf Aktien ausgerichtete Aktivitäten, wirklich gefördert werden kann. Erinnerungen an Initiativen unter dem Stichwort „Volksaktie“ , die in Summe doch eher kontraproduktiv waren, kommen dabei in den Sinn.

Auch ein Blick auf die angelsächsischen Länder mit ihrer deutlich höheren Aktienquote zeigt, dass es nicht darum gehen kann, breite Teile der Bevölkerung für ein singuläres Investments wie Aktien zu begeistern. Vielmehr resultiert die säkular höhere Aktionärsquote in den USA und Großbritannien unter anderem aus den  Unterschieden im Pensionssystem. So sind im Rahmen des Defined Contribution Systems Arbeitnehmer in der Breite aufgefordert, über die Anlage ihrer Pensionsgelder in verschiedene Fonds zu entscheiden. Daraus ergeben sich zwei strukturelle Unterschiede zu Deutschland: Die eigenverantwortliche Entscheidung geht oft mit einem Mehr an Finanzwissen einher, gefördert vielleicht auch durch eine geringere Scheu calvinistisch geprägter Länder vor der transparenten Beschäftigung mit finanziellen Fragestellungen. Dazu kommt: Die höhere Aktionärsquote in den USA und in Großbritannien resultiert aus einem stärker vermögensverwaltenden Ansatz, in dem die Anleger investieren;  verknüpft mit der Delegation der Einzelentscheidung an professionelle Asset-Manager und gegebenenfalls einer Einbettung der Aktieninvestments in ein Portfolio aus verschiedenen Anlageklassen mit entsprechend positiven Effekten der Risikostreuung.

Insofern begrüßen wir solche Initiativen zur Förderung des Aktienbesitzes, noch besser fänden wir allerdings statt eines „Tages der Aktie“ ein Jahrzehnt der finanziellen Bildung und der Vermögensverwaltung.

Rückläufiges Interesse an der Aktienanlage