Die Dividende zählt

Standpunkt - Mai 2015

Die Dividende zählt

Dr. Sebastian Klein - Vorsitzender des Vorstands der Fürstlich Castell'schen Bank

Im nun beginnenden Frühling haben die Börsen eine eigene Jahreszeit, die sogenannte Dividendensaison.

Die Abschlüsse der Unternehmen für 2014 liegen vor und die Hauptversammlungen entscheiden auf Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat über das an die Aktionäre zu Verteilende – die Dividende. Für die im DAX vertretenen Unternehmen zeichnet sich dabei eine Rekordsaison ab. Die gesamthaft geplanten Ausschüttungen belaufen sich auf knapp 30 Milliarden Euro, ein neuer Höchstwert.

Ebenso bemerkenswert: Bezogen auf den Wert dieser 30 Unternehmen (Börsenkapitalisierung) errechnet sich eine durchschnittliche Dividendenrendite von über 2 %. Angesichts des Nullzinsumfeldes werden bisweilen und recht leichtfertig die relativ hohen Dividenden als der neue Zins „gefeiert“. Weniger Beachtung findet die Frage, welcher Anteil am Jahresgewinn aus Sicht der Anleger vom Unternehmen ausgeschüttet werden soll und welcher Anteil im Unternehmen quasi als „Schatz“ zu thesaurieren ist.

Die klassische Antwort der Finanztheorie ist hier gleichermaßen einfach wie prima vista verwirrend: Es ist für den Wert des Unternehmens und damit für den Anleger irrelevant. Da dies allerdings nur in einer idealen Modellwelt mit vollkommener Information und ohne Transaktionskosten sowie Steuern gilt, können wir diesen Pfad schnell verlassen.

Neuere Theorien, die das (finanzielle) Wohl des Aktionärs in den Mittelpunkt stellen („Shareholder Value“), verlangen vom Unternehmen maximale Ausschüttungen. Der Einbehalt von Gewinnen verleite das Management des Unternehmens nur dazu, das Geld für unrentablere Projekte einzusetzen, um damit die Größe des Unternehmens, aber nicht notwendigerweise den Wert zu steigern („Empire Building“). Umso bemerkenswerter ist, dass diese angelsächsisch geprägte Sicht nun vom Chef einer der weltweit größten Anleger herausgefordert wird. So war am 15. April diesen Jahres im Handelsblatt zu lesen, dass der Chef von BlackRock einen Brief an die DAX-Unternehmen geschrieben habe, in dem er sie aufforderte, Dividenden und Aktienrückkäufe mit Augenmaß vorzunehmen, um die Investitionsfähigkeit des Unternehmens und damit eine Langfristperspektive sicherzustellen. Wir wollen einmal unterstellen, dass diese interessante Perspektive nicht der Phantasielosigkeit dieses großen Anlegers bezüglich der Reinvestitionen von Dividenden geschuldet ist.

Wir blicken mit Zuversicht auf die Dividendensituation. Wir mögen Dividenden. Zum einen weil bestimmte Anleger auf laufende Ausschüttungen angewiesen sind, zum anderen weil Dividenden belegen, dass Unternehmen Cashflow-relevante Gewinne erzielt haben.

Wir mögen aber Dividenden entsprechend unseres langfristig konservativen Ansatzes insbesondere auch dann, wenn sie kontinuierlich und planbar erzielt werden können.