Von Gurus und Gruppen

Standpunkt - Juni 2015

Von Gurus und Gruppen

Dr. Sebastian Klein - Vorsitzender des Vorstands der Fürstlich Castell'schen Bank

André Kostolany, Bill Gross, Warren Buffett oder Carl Icahn – das sind Namen, die interessierte Anleger aufhorchen lassen. Als Investoren haben sie Kultstatus erreicht. Ihr Anlageerfolg über viele Jahre hinweg hat sich mit entsprechendem unternehmerischem Erfolg gepaart. Schildern sie ihre Sicht auf den Kapitalmarkt, so werden Anleger weltweit aufmerksam. Vor wenigen Wochen fiel beispielsweise ein Tweet von Bill Gross mit dem Beginn eines Crashs am Rentenmarkt zusammen. Mehr als 8.000 Follower – eine für Finanzkreise beachtliche Zahl – konnten auf Twitter am 21. April 2015 lesen: »Gross: German 10yr Bunds = The short of a lifetime.«

Ob der Tweet den Marktverfall mit auslöste und ob Bill Gross vor dem Tweet bereits entsprechend positioniert war; all das lässt sich nur erahnen. Bill Gross selbst hat dies verneint. Diese Investmentlegenden haben in jedem Fall eine große Gefolgschaft, mit deren Hilfe sie auch Märkte bewegen können.

Wir hingegen setzen auf eine Gruppe von Entscheidern: Denn langfristig stabile und balancierte Portfolien sollten auf einer möglichst breiten und intensiv bewerteten Informationsbasis entwickelt und verwaltet werden. Wenngleich die Debatten in unserem Investmentkomitee verglichen mit einer Guru-Positionierung sehr intensiv sein können, setzen wir doch bewusst und gerne auf die Abwägung verschiedener Argumente und Perspektiven – gerade in einem immer dynamischeren und komplexeren Kapitalmarktumfeld.

Eine interessante Parallele lässt sich der Welt der Technologie entnehmen: Wer hätte gedacht, dass Apple nach dem »Guru« Steve Jobs jetzt mit einem stärkeren, gruppenorientierten Ansatz seine größten Erfolge feiert? Aber auch Gruppen sind vor Gurus nicht sicher. So ist im Handelsblatt vom 18. Mai 2015 zu lesen, dass Carl Icahn Apple erneut zu Aktienrückkäufen auffordert: »Niemand versteht Apple, außer Carl Icahn.«

Wenn aber selbst Gurus ihre Fehlbarkeit realistisch einschätzen, so wie es von André Kostolany verbürgt ist, der sagte: »Wenn Ökonomen tatsächlich zuverlässig gute Börsenprognosen liefern könnten, wären ja alle sehr reich. Und das sind die meisten aber offensichtlich nicht«, dann scheint uns Vorsicht geboten. Nicht zuletzt deshalb setzen wir auf unseren Teamansatz.