Mitarbeiter über Aktien am Unternehmen zu beteiligen, funktioniert derzeit in Deutschland nur bedingt

Standpunkt - November 2015

Mitarbeiter über Aktien am Unternehmen zu beteiligen, funktioniert derzeit in Deutschland nur bedingt

Dr. Sebastian Klein - Vorsitzender des Vorstands der Fürstlich Castell'schen Bank

In vielen Unternehmen der sogenannten »Neuen Ökonomie« werden die Mitarbeiter, in der Regel durch Aktien, direkt an Unternehmen beteiligt. Die Aussicht auf eine deutliche Wertsteigerung der entsprechenden Aktienanteile sollen Motivation und Identifikation mit dem Unternehmen steigern.

Zuletzt machte Twitter davon Gebrauch. Sein Gründer, Jack Dorsey, der wieder die CEO-Position bekleidet, verteilte aus seinem Privatvermögen (!) ein Drittel seiner Aktien an die Mitarbeiter des Unternehmens. Dieses Paket an Twitter Aktien hatte zu diesem Zeitpunkt einen Wert von rund 180 Millionen Euro.

Bemerkenswert ist an dieser Stelle der Kommentar von Dorsey: »Was mich betrifft, habe ich lieber einen kleinen Anteil an etwas Großem als einen großen Anteil an etwas Kleinem.«

Neben dem hierbei zum Ausdruck kommenden motivationsfördernden Effekt der Aktien-beteiligung von Mitarbeitern, werden für die Übertragung dieses Vorgehens auf deutsche
Unternehmen gerne noch weitere, zum Teil makroökonomische, Gründe aufgeführt: Dazu zählt insbesondere die Förderung der Aktienkultur in Deutschland. Sicher ein valides Argument angesichts der im internationalen Vergleich niedrigen Aktienbesitzquote von Privatpersonen, die sich im aktuellen Nullzinsumfeld besonders negativ auf die Kapitalrendite auswirkt.

Weiterhin wird in der Aktienbeteiligung der Mitarbeiter ein weiterer Baustein zur Schließung der Rentenlücke gesehen; auch wird – etwas ideologischer – dieses Instrument gerne als Mediation des Konflikts zwischen Arbeit und Kapital betrachtet. Piketty lässt grüßen.

Mit Blick auf eben jene positiven Effekte der Mitarbeiterbeteiligung, wäre grundsätzlich eine breitere Nutzung dieses Instrumentes auch in deutschen Unternehmen wünschenswert. Dabei gibt es jedoch einige Anforderungen, die eine einfache Formel erschweren:

1. Die Stärke der deutschen Wirtschaft resultiert vor allem aus ihrer mittelständischen Struktur. Diese Mittelständler schöpfen ihre nachhaltige Gestaltungskraft in vielen Fällen aus einer dauerhaften, stabilen, familiengeprägten Eigentümerstruktur. Aktienbeteiligungen und eine damit einhergehende Börsennotierung mit dem stärker kurz- bis mittelfristigen Quartalsdenken stehen dazu im Widerspruch. Hier sind andere Instrumente der Beteiligung, wie zum Beispiel Genussscheine, gefragt.

2. Um signifikante Effekte zu ermöglichen, müssten die steuerlichen Rahmenbedingungen für Belegschaftsaktien quantitativ und qualitativ erweitert werden.

3. Nicht zuletzt ist das Kumulrisiko für die Mitarbeiter, deren Einkommen – und bei stärkerer Beteiligung dann auch deren Vermögen – vom Wohlergehen des Unternehmens abhängt, zu
bedenken. Insbesondere die Aufklärung und Ausbildung zu den Chancen und Risiken einer Aktienbeteiligung ist unter dem ohnehin fördernswerten Thema Finanzbildung zu verbessern.

Diese drei genannten Aspekte sind zwar lösbar, aber sie zeigen auch, dass eine einfache Übertragung des »Twitter-Modells« in die Breite der deutschen Wirtschaft schnell an ihre Grenzen stößt.