Der Zwiespalt des Januar –Alles bleibt anders 2.0

Standpunkt - Januar 2016

Der Zwiespalt des Januar – Alles bleibt anders 2.0

Dr. Sebastian Klein - Vorsitzender des Vorstands der Fürstlich Castell'schen Bank

Immer wieder hatten wir in dieser Reihe aufgezeigt, welch ungewöhnliche Kapitalmarktentwicklungen sich im Nachgang der Finanzkrise seit 2008 ergeben haben. Diese neue Normalität dauert an und damit gilt: Alles bleibt anders, auch in 2016.

Dieses Jahr 2016 begann – wie es Gerald Braunberger in der FAZ so treffend kommentierte – mit einem »Paukenschlag«.

Gleich am ersten Handelstag des neuen Jahres verloren die Börsen weltweit, ausgelöst durch die negative Entwicklung der chinesischen Börse, signifikant. Bis zum Ende der ersten Handelswoche summierte sich das Minus im DAX sogar auf über 8 %.

Dies ist sowohl vom Ausmaß als auch von der Richtung sehr ungewöhnlich, gilt doch der Januar als einer der besten Börsenmonate. So legte der deutsche Aktienmarkt von 1970 bis 2015 in nahezu 80 % der Januar-Monate zu und zwar deutlich stärker als in vielen anderen Monaten.

Diese Anomalie, die Abweichung von effizienten Kapitalmärkten in solchen Kalendereffekten, wird oft damit erklärt, dass steuerliche Überlegungen oder das sogenannte »window dressing« Investoren dazu veranlassen, ihre Portfolios zum Ende des Jahres zu bereinigen, um dann mit Beginn des Jahres wieder in den Aktienmarkt einzusteigen. Gelegentlich wird auch der Januareffekt als Fortsetzung der Jahresendrally thematisiert.

Auf eine solche Jahresendrally wartete man 2015 jedoch vergebens. Der Dezember enttäuschte in Summe: Die erste Zinserhöhung seit fast 10 Jahren durch die Fed, eine hinter den Erwartungen zurückbleibende EZB und konjunkturelle Unsicherheiten spielten hierbei eine wesentliche Rolle.

So haben wir es im Januar 2016 mit einem Januareffekt der anderen Art zu tun – zumindest in der ersten Handelswoche setzt sich der negative Trend des Dezembers verstärkt fort.

Eben jene Entwicklung erinnert an den Namensgeber des Monats, den römischen Gott Janus, der oft mit zwei Gesichtern dargestellt wird: Eines blickt nach links in das alte Jahr, eines nach rechts in das neue Jahr. Janus gilt als Symbol der Zwiespältigkeit. Genauso empfinden wir momentan die wirtschaftliche Lage und ihre Reflexion an den Kapitalmärkten. Moderates weltwirtschaftliches Wachstum mit eher negativen Fragezeichen und geopolitische Herausforderungen bei einer anhaltenden akkommodierenden Zinspolitik: Was kann der Katalysator für robusteres Wachstum sein oder droht eher eine Rezession?

Genau dieser Zwiespalt ist es, vor dem wir stehen. Die Richtung ist noch nicht klar, aber die Volatilität steigt merklich, wie auch schon in 2015. Unserem Bekenntnis zum Oberziel Werterhalt folgend, setzen wir daher den bereits im Herbst eingeschlagenen Weg einer vorsichtigen Positionierung zunächst fort. Alles andere wäre nicht verantwortlich in einer Situation, wo der Januar an den Kapitalmärkten so an seinen Namensgeber erinnert.