Negative Zinsen – Überlegtes Handeln ist gefragt

Standpunkt - Februar 2016

Negative Zinsen – Überlegtes Handeln ist gefragt

Dr. Sebastian Klein - Vorsitzender des Vorstands der Fürstlich Castell'schen Bank

Mit den jüngsten Ankündigungen dreier großer Notenbanken scheint zur Gewissheit zu werden, was Viele befürchtet haben. »Lower for longer« – so könnte man die Signale und Beschlüsse der Fed, der EZB und der Bank of Japan im Januar zusammenfassen. Um einer Deflation vorzubeugen und wirtschaftliches Wachstum zu forcieren, werden die Zinsen für längere Zeit nicht signifikant angehoben (USA) oder gar weiter gesenkt (Europa, Japan).

Dabei greift die Europäische Zentralbank, wie die Bank of Japan, auf eine unkonventionelle geldpolitische Maßnahme zurück, nämlich einen negativen Einlagenzins für Banken. Banken, die ihre Überschussliquidität am Abend sicher bei der Nationalbank anlegen wollen, wachen am nächsten Morgen mit einem geringeren Rückzahlungsbetrag auf. Dieser »Strafzins« soll die Institute zu einer verstärkten Kreditvergabe an die Realwirtschaft ermutigen, um so die
wirtschaftliche Dynamik über Investitionen zu beflügeln.

Für die Einlagenkunden bedeutet dies, dass sie bestenfalls mit einer Nullverzinsung rechnen können. Und das auch nur dann, wenn die Bank temporär bereit ist, in die Kundenbeziehung zu investieren, da sie isoliert betrachtet 30 Basispunkte (»Strafzins der EZB«) oder vielleicht bald40 Basispunkte draufzahlt. Diesen Weg haben wir bislang beschritten, da wir die Loyalität zu unseren Kunden als wesentliches Element unseres Grundverständnisses erachten. Aber selbst wenn der Kunde nicht von einer Weitergabe des Strafzinses betroffen ist, bleibt die Anlage nach Abzug der zwar niedrigen, aber immer noch nicht strukturellen negativen Inflation real verlustbehaftet. Beide Geschäftspartner tragen ihre Lasten, der »Strafzins« auf Seiten der Bank, eine reale Null- beziehungsweise Negativverzinsung auf Seiten des Kunden.

Welche Handlungsmöglichkeiten ergeben sich für unsere Kunden?

Lassen wir die Option des Konsums außer Acht, dann könnten sich Kunden anderen Anlageklassen zuwenden, die eine positive Verzinsung aufweisen. Wichtig hierbei ist jedoch
nie aus den Augen zu verlieren, dass der Zins als Preis für die Kapitalüberlassung immer das Risiko dieser Anlage reflektiert. Höhere Verzinsungen oder allgemeiner Renditen sind immer Erwartungswerte unter Unsicherheit und dem Risiko der Anlage gegenüberzustellen. Überlegtes Handeln ist gefragt. Bin ich als Kunde bereit, finanziell und emotional die Risiken auszuhalten, die eine höhere Verzinsung signalisiert?

Die Antwort auf diese Frage führt zu einem individuellen Risikobudget, welches bei all unseren vermögensverwaltenden Angeboten im Zentrum steht. So bieten wir ein Spektrum von Alternativen zur Einlage an, die sich graduell im Risikobudget, das unser Kunde individuell einzugehen bereit ist, unterscheiden. Dies beginnt beim Zinsertrag K, einem Fonds mit kurzlaufenden Rentenpapieren, einer Kombination aus verzinster Einlage und Fondsanlage (Sicherheit & Ertrag) und setzt sich fort bei unseren Vermögensverwaltenden Fonds mit Risikobudgets von 5 % (defensiv) beziehungsweise 10 % (ausgewogen). Welcher
dieser Wege für Sie individuell der Richtige ist, sollten Sie mit Ihrem Berater besprechen. Gerne lade ich Sie dazu herzlich ein.