Gold ist keine Anlageklasse, sondern eine Versicherung für den Worst Case

Standpunkt - März 2016

Gold ist keine Anlageklasse, sondern eine Versicherung für den Worst Case

Dr. Sebastian Klein - Vorsitzender des Vorstands der Fürstlich Castell'schen Bank

Gold übt seit jeher eine besondere Faszination auf uns Menschen aus. Auch am Kapitalmarkt wird Gold immer wieder zu einem großen Thema. Dies konnte man in den letzten Wochen seit Jahresbeginn wieder beobachten, als der Anstieg des Goldpreises auf Kurse um 1.200 US-Dollar sogleich eine mediale Goldgräberstimmung nach sich zog. Der weit verbreiteten Ansicht, dass Gold als Anlageklasse unverzichtbar ist und in jedes Depot gehöre, stellen wir die Argumentation gegenüber, dass Gold eine Versicherung gegen extreme Vermögensrisiken sein kann.

Dabei ist zunächst wichtig, dass Gold im Vergleich zu anderen Anlageklassen keine laufende Verzinsung oder Dividende bietet. Dieser Verzicht auf Verzinsung, der in Zeiten negativer Zinsen verschmerzbar ist, kann als Versicherungsprämie interpretiert werden. Bleibt also die Betrachtung des Goldpreises. Dieser weist immer dann eine schubweise sehr positive Entwicklung auf, wenn große Währungs- und Wirtschaftskrisen imminent sind, so zuletzt in den Jahren 2008 und 2011 zu beobachten. In der Tat erfüllt dann Gold in den Portfolien – ähnlich wie erstklassige Staatsanleihen – aufgrund der negativen Korrelation zu den Aktienmärkten die Funktion einer Art Sicherung oder Versicherung des Portfolios. Der Verzicht auf laufende Zinsen ist dann wie eine Versicherungsprämie anzusehen. Gold als festen Bestandteil eines Portfolios zu halten und damit diese Prämie dauerhaft zu zahlen, kann sehr teuer werden, da in Zeiten ruhiger beziehungsweiser positiver Wirtschaftsentwicklung fallende Goldnotierungen zu den Zinseinbußen hinzutreten. So setzen wir in sich anbahnenden Krisenzeiten Gold temporär als Versicherung für den Worst Case in unseren Portfolien ein, zuletzt auch geschehen in den ersten Wochen des neuen Jahres und das mit gutem Erfolg. Im aktuellen Negativzinsumfeld weisen in dieser Hinsicht Gold und Bundesanleihen interessante Parallelen auf; weniger die (nicht vorhandene) Verzinsung, sondern der Absicherungsgedanke kann eine Investition begründen.

Gold ist eine temporäre Versicherung, keine dauerhafte Anlage. Eine dauerhafte Versicherung gegen extreme Krisen, zum Beispiel Kriege, Umweltkatastrophen, etc., kann Gold auch sein, dann allerdings als relativ leicht portables physisches Gold, nicht als Portfoliobestandteil.