Aktienrückkäufe – Vernunft oder Verzweiflung?

Standpunkt - April 2016

Aktienrückkäufe – Vernunft oder Verzweiflung?

Dr. Sebastian Klein - Vorsitzender des Vorstands der Fürstlich Castell'schen Bank

Die im breiten US-amerikanischen Standard & Poor’s Index versammelten 500 Unternehmen steuern auf einen neuen Rekord zu: In diesem Quartal erreichen ihre Aktienrückkäufe mit knapp 170 Milliarden US-Dollar nahezu den historischen Höchstwert von 2007.

Insbesondere in Zeiten niedriger oder gar negativer Nominalzinsen gewinnt dieses Instrument an Beliebtheit, da Unternehmen diese Aktienrückkäufe leicht und günstig durch Fremdkapital refinanzieren können. So ist gerade vor dem Hintergrund der Entscheidungen der EZB im März zu erwarten, dass auch in Europa Unternehmen verstärkt dieses Instrument einsetzen. Einige, wie beispielsweise Siemens, tun dies schon.

Aus Sicht eines Anlegers bedeutet ein Aktienrückkaufprogramm Licht und Schatten. Positive Aspekte sind ceteris paribus steigende Kurse, da durch den Aktienrückkauf zusätzliche Nachfrage nach den Aktien geschaffen wird. Darüber hinaus wird bei dem entsprechenden Einzug der gekauften Aktien der Unternehmensgewinn auf weniger Aktien verteilt. Somit steigt der Gewinn pro Aktie, auch dies spricht für steigende Kurse. Weiterhin kann verhaltenstheoretisch der Rückkauf eigener Aktien auch als positives Signal des Managements gesehen werden, das die Investition in eigene Aktien als lukrativer ansieht, als andere mögliche Investitionen – hier ist der Punkt, wo sich lange Schatten beginnen auf das Licht der Aktienrückkäufe zu werfen. Denn dann bedeuten Aktienrückkäufe auch, dass das Management keine unternehmerischen Investitionen sieht, die annähernd so profitabel sind wie die bislang getätigten.

Aber ist diese „Phantasielosigkeit“ des Managements wirklich so schlecht?

Im Gegenteil. Gerade bei so günstigen Zinsbedingungen sehen wir eher die Gefahr, dass das Management in Projekte investiert, die sich nur angesichts dieser niedrigen Zinsen rechnen, jedenfalls weniger profitabel sind als die in der Vergangenheit getätigten Investitionen. Dann ziehen wir die Verlagerung der Investitionsentscheidung auf die Anleger mittels Aktienrückkäufen oder höheren Dividendenausschüttungen vor.