Sommerrally oder Sommerloch?

Standpunkt - August 2016

Sommerrally der Sommerloch?

Dr. Sebastian Klein - Vorsitzender des Vorstands der Fürstlich Castell'schen Bank

Die Aktienmärkte haben sich im Juli gut geschlagen: Während es dem Deutschen Aktienindex zumindest gelungen ist, das Niveau vor der Brexit-Entscheidung zurückzuerobern, haben die US-amerikanischen Börsen sogar neue Allzeit-Höchststände erreicht.

Die Erwartung auf ein dauerhaft akkommodierendes Zinsumfeld – statt lower for longer vielleicht low forever –, überraschend robuste Ergebnisse insbesondere der großen US-Technologiewerte sowie die Erwartung zusätzlicher fiskalischer Stimuli, wie beispielsweise in Japan, haben diese Entwicklung unterstützt.

Aber der Sommer ist noch nicht vorbei, und die alte Börsenregel »sell in summer« rät zum Verkauf von Aktien.

Empirisch zeigt sich nämlich für die Monate August und September eine maue Performance: So hat der DAX in den letzten 20 Jahren durchschnittlich etwa 2,5 % in diesen Monaten abgegeben.

Begründet wird diese negative Entwicklung mit den geringen Umsätzen an der Börse in der Ferienzeit und der damit korrespondierenden Scheu großer Investoren, in dieser Zeit bedeutendere Positionen einzugehen.

Allerdings sind die historischen Performancedaten für August und September verzerrt, da just in diesem Zeitraum größere Krisen ihren Ausgang nahmen. Denken Sie nur an die Lehman Insolvenz im September 2008 oder den 11. September 2001.

Konjunkturelle und geopolitische Risiken bestehen derzeit genug, um aus fundamentaler Sicht keine fulminante Sommerrally zu erwarten.

Allerdings könnten einzelne positive Überraschungen makro-oder mikroökonomischer Natur zusammen mit dem Floor des Niedrigzinsumfeldes auch ein Sommerloch verhindern.
In diesem Umfeld bleiben wir vorsichtige Renditesammler dort, wo sich die Risikonahme auszahlt.

Wir wünschen Ihnen einen erholsamen und entspannten Sommer.