Frau Yellen als »Oxymoron« – die dezente Botschaft ihrer Rede vom 26. August.

Standpunkt - September 2016

Frau Yellen als »Oxymoron« – die dezente Botschaft ihrer Rede vom 26. August.

Dr. Sebastian Klein - Vorsitzender des Vorstands der Fürstlich Castell'schen Bank


Mit großer Spannung und lähmend wirkendem Attentismus wurde die Rede der US-amerikanischen Notenbankpräsidentin Janet L. Yellen am 26. August erwartet. Sie sprach
beim alljährlichen Notenbanksymposium in Jackson Hole. Das Thema war eher strategisch-struktureller Natur: Das Instrumentarium der Notenbank in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Eine der zentralen Fragestellungen lautete: „Ist eine Notenbank strukturell auch in einem Niedrigzinsumfeld handlungsfähig?«

Dennoch erwarteten sich die Marktbeobachter konkrete Hinweise über die Anzahl und das Ausmaß möglicher Leitzinserhöhungen für die USA in diesem Jahr.

In diesem Punkt blieb Frau Yellen vage. Dennoch unterstrich sie die positive Entwicklung des wirtschaftlichen Datenkranzes. So rückte sie eine mögliche Zinsanhebung noch in diesem Jahr in den Bereich des Möglichen. Vom Markt wurde dies in erhöhter Volatilität der kurzfristigen Zinsen übersetzt. Mit einer US-Leitzinserhöhung im September wird nun zu 40 % gerechnet, mit einer Erhöhung im Dezember zu 80 %.

Frau Yellen lancierte jedoch sehr dezent und gar nicht marktschreiend (»to yell«) auch eine vielleicht wichtigere Botschaft: »But even if average interest rates remain lower than in the past, I believe monetary policy will, under most conditions, be able to respond effectively.«

Aus dieser und ähnlichen Aussagen lässt sich erkennen, dass die US-Notenbank eine Rückkehr zu den Zinsniveaus vor der Krise nicht nur kurzfristig, sondern auch strukturell
mittelfristig nicht für wahrscheinlich hält.

Die neue Wirtschaftswelt wird also – folgt man dieser Einschätzung – von einem langfristigen niedrigen Zinsniveau geprägt sein. Und das nicht nur in den USA, sondern auch in Europa und anderen Teilen der Welt (zum Beispiel in Japan). Da das Zinsniveau als Referenzgröße für Anleger eine große Bedeutung hat, wird die Frage »Wie soll ich mein Geld in einem Nullzinsumfeld anlegen?« zu einer strukturell langfristigen Aufgabe.

In einem Umfeld, in dem die Zinsen dauerhaft unter dem Vorkrisenniveau bleiben dürften, ist eine Nullverzinsung für kurzfristige Anlagen in Euroland und damit die Umgehung des Strafzinses also bereits positiv zu sehen. Dies ist kein Zynismus, sondern eine Reflexion des Faktischen.

Denkt man als Anleger über etwas längere Zeiträume nach und ist bereit, ein gewisses, kalkuliertes Risiko einzugehen, dann sollte man die strukturelle Zinsprognose zum Anlass
nehmen, ein breit diversifiziertes Anlageportfolio aus Aktien, Anleihen und alternativen Anlagen aufzubauen.

Auf der Rückseite dieses Anlagebriefes erkennen Sie, welche Ergebnisse mit einer solchen Strategie bei Risikobudgets von 5 % p. a. (Castell VV Defensiv) oder 10 % p. a. (Castell VV
Ausgewogen) in den ersten acht Monaten dieses anspruchsvollen Kapitalmarktjahres erzielbar waren.

Sprechen Sie uns gerne an – wir freuen uns, mit Ihnen die passende Anlagestrategie in dem fortbestehenden Niedrigzinsumfeld zu besprechen, bei dem eine Rückkehr zu den
Zinsniveaus vor 2008 auf Sicht ausgeschlossen scheint.