Vom Glück in der Lücke.

Standpunkt - Oktober 2016

Vom Glück in der Lücke.

Dr. Sebastian Klein - Vorsitzender des Vorstands der Fürstlich Castell'schen Bank

Am 13. September 2016 war dies der Titel eines bemerkenswerten Artikels in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Portraitiert wurden drei inhabergeführte Juweliergeschäfte in Düsseldorf, Frankfurt und München. Dabei wurden insbesondere Merkmale dauerhaft erfolgreicher Unternehmensführung herausgestellt. So können sich diese kleinen, aber feinen Juweliere gegen die größeren Ketten um sie herum behaupten.

Zu den wesentlichen Erfolgsfaktoren dieser Boutiquen zählen die persönliche Beziehung zu den Kunden, die Kontinuität in der Kundenbetreuung, die familiäre Tradition, Unabhängigkeit und eine bewusste Abgrenzung zu großen Sortimenten mit ihrem Anspruch der Ubiquität, oder wie ein Juwelier in dem Artikel zitiert wird: »Wir wollen ein Ruhepol sein und kämpfen gegen die Beliebigkeit an.«

Gerade in unserer immer schnelllebigeren Zeit scheint dieses Versprechen bei vielen anspruchsvollen Kunden Anklang zu finden. Persönliche, verlässliche Betreuung und Beratung in ruhiger, überschaubarer Atmosphäre.

Beim Lesen des Beitrags erschlossen sich mir unmittelbar die Parallelitäten zu unserer Branche. Nicht zuletzt die Diskussionen um eine mögliche Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank zeigen, dass wohl – trotz des regulatorischen Mantras einer Vermeidung des »Too-big-to-fail« – eine Tendenz zu größeren Einheiten im Bankwesen zu erwarten ist. Auch Fusionen im Bereich der Sparkassen und Volksbanken deuten in diese Richtung. Die Größe der Großen bietet den Kunden damit sicherlich ein sehr breites Angebotsspektrum. Sie lässt aber auch die Lücke für die kleinen Häuser größer werden. Als Bank in ununterbrochenem Familienbesitz sehen wir hier unseren Platz: Individuelle Betreuung unserer Kunden und ein klar definiertes Leistungsangebot mit hohem Qualitätsanspruch sowie Ruhe und Gelassenheit bei der Geldanlage gerade in volatilen, unsicheren Zeiten durch den Primat des Werterhalts. Statt Streben nach Größe und Beschäftigung mit Übernahmen setzen wir auf »Streben nach Glück« und Zeit für den kontinuierlichen Dialog mit unseren Kunden. In dieser Positionierung und mit dieser Offerte an unsere Kunden sehen wir uns auch für die Zukunft gut gerüstet.