Droht uns eine Stagflation?

Standpunkt - Oktober 2018

Droht uns eine Stagflation?

Dr. Sebastian Klein - Vorsitzender des Vorstands der Fürstlich Castell'schen Bank

Vermehrt kann man dieser Tage über das Risiko einer Stagflation lesen. Aber was ist das eigentlich? Wie wahrscheinlich ist ein entsprechendes Szenario? Und wie schütze ich mein Vermögen vor den negativen Wirkungen der Stagflation?

Stagflation beschreibt eine gesamtwirtschaftliche Konstellation aus geringem bzw. null Wirtschaftswachstum und spürbar steigendem Preisniveau. Dass dies eine gefährliche, fast toxische Mischung ist, mag man daran erkennen, dass unter normalen Bedingungen Wirtschaftswachstum und Preisniveau positiv korreliert sind: Ein starkes Wirtschaftswachstum führt z. B. über die Lohn-Preis-Spirale zu steigenden Preisen. Gehen jedoch steigende Preise mit niedrigem oder zurückgehendem Wirtschaftswachstum einher, dann ist dafür meist ein externer Schock verantwortlich.

Ein prominentes Beispiel hierfür ist der Ölpreisschock in den 70er Jahren. Erratisch steigende Ölpreise übten einen wachstumsbremsenden Schock aus. Woher könnte ein solcher externer preistreibender Schock heute kommen? Vielleicht aus der Türkei mit ihrer rasanten Preisentwicklung; hier sehen wir allerdings aufgrund des geringen wirtschaftlichen Gewichts nur geringe globale Ansteckungsgefahren. Vielleicht aus den USA bei lahmender Konjunktur, aber nachzyklischem Preisauftrieb mit entsprechender Korrekturmaßnahmen der Notenbank, also mithin einer Koinzidenz von Zinserhöhung und Wachstumsverlangsamung/ Rezession. Dies wäre sicherlich für die Weltwirtschaft bedrohlich, allerdings würden wir unterstellen, dass die FED mit ihrem dualen Mandat – Preisstabilität und Vollbeschäftigung – umsichtig agieren würde.

Vielleicht drittens als Folge eines ungeordneten Brexit. Die entsprechende Unsicherheit könnte zu erlahmendem Wirtschaftswachstum führen, wiederauflebende Zölle zu einer importierten Inflation. Aber auch hier glauben wir an den Sieg der politischen Vernunft, die einen unkontrollierten Brexit verhindern sollte.

Ja, wir hegen sogar die Resthoffnung, dass es quasi in letzter Sekunde einen Exit vom Brexit geben könnte. Stagflationsszenarien sind also heute durchaus vorstellbar, ihre Wirkung und/oder Wahrscheinlichkeit schätzen wir allerdings nicht sehr hoch ein. In unserem Basisszenario gehen wir weiterhin von einem robusten weltwirtschaftlichen Wachstum aus, wie es der IWF z. B. für dieses und kommendes Jahr mit 3,9 Prozent prognostiziert.

Sollten sich dennoch deutliche Anzeichen für eine Stagflation zeigen, so sind wir bereit, die Portfolien deutlich konservativer auszurichten: Cash, Währungen, Gold, Rohstoffe und kurz laufende Wertpapiere von Staaten bester Bonität wären dann die Schwerpunkte eines robusten Portfolios. Unsere risikoorientierte Vermögensverwaltung wäre also auch für ein solches Szenario gewappnet.