Millennials: Was wir von der jungen Generation lernen können.

Sonderausgabe Standpunkt - November 2018

Millennials: Was wir von der jungen Generation lernen können.

Dr. Sebastian Klein - Vorsitzender des Vorstands der Fürstlich Castell'schen Bank

Immer häufiger werden die Ansprüche und der Einfluss junger Menschen – genannt Millennials – in Bezug auf das Thema Vermögensanlage diskutiert. Dies führt zwangsläufig zu Fragen wie: Welche Generation verbirgt sich hinter dem »Pseudonym« Millennials und was zeichnet diese aus? Was können wir von ihnen lernen? Und was bedeutet der Generationenwechsel für Vermögensverwalter und die Vermögensanlage im Allgemeinen?

Millennials, Digital Natives, Generation Y – Synonyme für die Generation um die Geburtenjahrgänge von Anfang der 1980er bis Ende der 1990er Jahre. Bezeichnend für diese sind ein hoher Bildungsstand, eine stark ausgeprägte Technikaffinität sowie eine neue Art von Wertorientierung und Lebenseinstellung. Auffällig ist deren neuer Lebensstil, der sich doch in einigen Punkten von denen ihrer Eltern und Großeltern unterscheidet. Insbesondere das Lifestyle- und Arbeitsverhalten der Millennials weist diverse Besonderheiten auf.

»Man ist on« – Digitalisierung bietet Millennials Möglichkeiten, die früheren Generationen verwehrt waren. Sei es die unbegrenzte Informationsbeschaffung über das Internet oder die Möglichkeit, Dienstleistungen und Produkte online zu erwerben und zu teilen. Dies hegt unweigerlich den Wunsch nach einer unbegrenzten Zugänglichkeit diverser digitaler Angebote. Vollkommen scheint dies jedoch erst dann, wenn das jeweilige Angebot individualisierbar ist und somit zur bestmöglichen Identifikation des Konsumenten mit dem Produkt beitragen kann.

Neben der Nutzung digitaler Angebote kommt dem erlebnisorientierten Lebensstil eine besondere Bedeutung zu. Unter dem Slogan »Arbeite, um zu leben« wird Erlebnissen im Gegenzug zu physischem Erwerb von Eigentum jeglicher Art eine höhere Priorisierung verliehen. Als kontrovers gilt das teils exzessive Shopping-Verhalten der jungen Generation, welches dem Verzicht auf Eigentum entgegensteht. Car- oder Home-Sharing machen einen Eigentumserwerb nahezu überflüssig. Ist dies vielleicht im Vergleich zur Diesel-Debatte die größere Herausforderung für die deutsche Automobilindustrie?

Die Bereitschaft, Dinge zu teilen, erstreckt sich auch auf Finanzthemen. »Über Geld spricht man« – lautet das Motto der Millennials, die sich ganz bewusst mit Freunden über deren persönliche Vermögenssituation austauschen. Überlässt man noch vor einigen Jahren die Anlageentscheidung überwiegend einem Berater, plädiert die junge Generation auf aktive Mitsprache bei der Vermögensanlage. Die notwendigen Plattformen stellen beispielsweise Communityähnliche Anbieter bereit, welche zudem der gelebten »Fan-Kultur« der Millennials Rechnung tragen. Für die Bereitschaft, überdurchschnittlich viel des eigenen Privatlebens preis zu geben, wird eine bedürfnisorientierte Produktpalette erwartet.

Was können wir daher aufgrund des veränderten Lebens- und Arbeitsstils von der jungen Generation lernen?

  1. Die umfassende Nutzung der zur Verfügung stehenden Informationsmöglichkeiten – sei es in Bezug auf Finanzthemen oder andere Bereiche des Lebens.
  2. Der Fokus auf Work-Life-Balance – die Vorzüge des Lebens genießen, ermöglicht durch die persönliche Arbeitsleistung.
  3. Die Offenheit hinsichtlich des Austauschs über Finanzthemen – Empfehlungen erhalten und Fehlentscheidungen, wo möglich, vermeiden.

Neben den genannten Aspekten gilt es jedoch auch mit einem kritischen Auge auf die Lebens- und Werteorientierung der jungen Generation zu blicken. Der starke Fokus auf Erlebnisorientierung kann in gewissen Punkten das Ziel verfehlen. Nahezu vollständiger Verzicht auf Eigentum kann perspektivisch – im Hinblick auf das Alter – zu Einbußen führen und die gelebte »Erlebnis-Kultur« diesbezüglich einschränken. Bei Millennials handelt es sich um die Generation der Erben, welche bisher nie das Gefühl sozialer Unsicherheit zum Beispiel durch Arbeitslosigkeit zu spüren bekamen. Diese Tatsache erfordert dementsprechend sowohl eine gewisse Zukunftsplanung vonseiten der Millennials als auch eine Vermögensplanung der Eltern. Darüber hinaus kann die Bereitstellung detaillierter privater Informationen bei falschem Umgang mit dem Internet und den sozialen Medien negative Folgen nach sich ziehen. Bereits heute sind durch Big Data umfassende Auswertungen und Rückschlüsse auf die Person möglich. An dieser Stelle ist das richtige Maß ausschlaggebend.

Besonders positiv ist die Tatsache hervorzuheben, dass dem Bildungsstand durch Millennials trotz der heutigen umfassenden digitalen Informationsmöglichkeiten nachweislich eine enorme Priorität beigemessen wird. Dies belegen die hohen Zahlen an Hochschulabsolventen der vergangenen Jahre. Ob die Qualität der Abschlüsse besser geworden ist und sich diese nicht nur am Titel einer Fernsehsendung orientieren, kann man schon mal fragen.

Jede Generation bringt ihre spezifischen Merkmale mit sich, welche auch immer ein Stück den Zeitgeist prägen. Um das Beste aus verschiedenen Generationen zu vereinen, ist eine gewisse Offenheit und Lernbereitschaft von- und miteinander unausweichlich.

Was bedeuten diese Entwicklungen nun konkret für Vermögensverwalter und die Vermögensanlage im Allgemeinen? Nachdem die junge Generation die Zukunft darstellen wird, ist eine schrittweise Ausrichtung des Angebots an deren Bedürfnisse und Ansprüche erforderlich. Digitalisierung sowie die Internet- und Technikaffinität erfordern die Bereitstellung digitaler Finanz-Plattformen.

Die Fürstlich Castell’sche Bank ist bereits einen zukunftsweisenden Schritt mit der Lancierung und Live-Schaltung ihrer digitalen Plattform »Castell Insight« gegangen. Unsere zeitgemäße, doch konservative Vermögensverwaltung steht damit auch den Millennials und allen, die deren Lebensgefühl teilen, offen.