2018 – ein bescheidenes Kapitalmarktjahr

Standpunkt - Dezember 2018

2018 – ein bescheidenes Kapitalmarktjahr

Dr. Sebastian Klein - Vorsitzender des Vorstands der Fürstlich Castell'schen Bank

Für uns Anleger fühlte sich das ablaufende Kapitalmarktjahr 2018 nicht gut an. Ein düsterer Schleier aus geopolitischen und ökonomischen Sorgen lag im Gesamtjahr über den Märkten. Im Ergebnis ergaben sich bis Ende November in fast allen wesentlichen Wertpapiermärkten negative Renditen für die Anleger. Lediglich der breite US-amerikanische Markt und deutsche Staatsanleihen wiesen (leicht) positive Renditen auf. Demgegenüber rutschten die meisten Aktienmärkte recht deutlich ins Minus: So verloren Aktien in der Eurozone bis Ende November fast 8 % nach +13 % im Jahr zuvor. Und dies alles bei recht ordentlichen Wachstumsaussichten für die globale Wirtschaft. Sowohl für 2018 als auch für 2019 wird ein reales Wachstum z. B. vom IWF von 3,7 % erwartet, in den Triade- Märkten (USA, Europa, Japan) von 2,4 % bzw. 2,1 %. Das ist solide und in der Synchronität der Wachstumsdynamik besonders bemerkenswert.

Wie erklärt sich diese Diskrepanz zwischen Wirtschaftsprognosen und Aktienpreisen? Wenngleich sich durch eine mögliche Jahresendrally diese Lücke etwas schließen sollte, so scheint der Kapitalmarkt doch in 2018 Risiken antizipiert zu haben, die in der Tendenz eher für Abgabedruck sorgen. Dies zeigt sich auch an eigentlich stärkeren Börsentagen, an denen gegen Börsenende Gewinnmitnahmen zu gegenüber dem Tagesverlauf reduzierten Notierungen führen. Man ist vorsichtig in der Grundstimmung.

Oder anders ausgedrückt: Die Kapitalmarktteilnehmer scheuen nichts so sehr wie Unsicherheit. Dies kann dazu führen, dass Kapitalmärkte mehr schwanken, als die ökonomische Gesamtsituation nahelegen würde. Positiv ausgedrückt, könnten sich abzeichnende Lösungen in folgenden fünf Problemkreisen für eine Reduktion der Unsicherheit sorgen und damit eine verstärkte Belebung der Aktienmärkte nach sich ziehen:

  1. Eine Lösung des Handelskonfliktes zwischen den USA und China, die ja beide quasi symbiotisch in einer engen Abnehmer/Finanzier Beziehung stehen.
  2. Die Stabilisierung des Wachstumspfades in China, an der die chinesische Führung größtes Interesse haben sollte, gerade mit Blick auf die Festigkeit des politischen Systems.
  3. Politische Schritte auf europäischer Ebene, die (endlich) vom Krisenmodus (Italien, Brexit) in die Zukunftsgestaltung einer wirtschaftlich tragfähigen Eurozone führen.
  4. Eine Zentralbankpolitik, die sich der Sensibilität der Anpassungsprozesse einer Zinswende bewusst ist – in Japan, USA und Europa.
  5. Gezielte staatliche Investitionen in Infrastruktur für das zukünftige Wachstum in einer sich verändernden Wirtschaft: Digitalisierung und Bildung als Kernfelder der entwickelten Volkswirtschaften, sowie Klimaschutz weltweit.

Positive Schritte in diesen fünf Feldern und ausbleibende Störfeuer bei anderen Themen könnten positive Perspektiven für die Aktienmärkte bringen.

Ein versöhnliches Ende 2018 und ein guter Start 2019 wären denkbar. Allerdings sei vor übertriebenen Renditeerwartungen mittelfristig gewarnt; denn wir befinden uns unbestreitbar in einer späten Phase eines Wachstumszyklus. Und auch makroökonomisch kann im Grundsatz von einer Rückkehr zum Mittelpunkt ausgegangen werden.