05.05.2020 - Ölkorrektur zeichnet düsteres Bild für Konjunktur

Die momentane Krise ist eine Krise der Superlative: Noch nie zuvor korrigierten die Märkte so rasant, gefolgt von einer schnellen Erholung, die wiederum durch Rekordkäufe der Zentralbanken und riesige Rettungspakete der Staaten unterstützt wurde. Langsam kommen die ersten „harten“ Konjunkturdaten heraus und die verheißen, wie erwartet, nichts Gutes. Es wird wohl die schlimmste und tiefste Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg und dennoch halten sich die Aktienmärkte wacker, in den USA war der April sogar der beste Monat seit 1987. Nur der Ölpreis scheint die Schwere der Rezession korrekt abzubilden.

Seit Jahresbeginn ist Öl der Sorte Brent von 70 Dollar/Fass auf ein 18-Jahrestief von unter 20 Dollar in der letzten Woche gefallen. Der US-Rohöl-Kontrakt, der Ende April verfiel, notierte zeitweise unter null Dollar. Aufgrund des wirtschaftlichen Stillstands durch die Corona-Krise wird sehr viel weniger Öl verbraucht. Die Lagerkapazitäten sind limitiert, in den USA insbesondere am Ölknotenpunkt in Cushing im Bundesstaat Oklahoma. Deswegen gab es kaum Käufer für den Mai-Future an den Börsen und die Verkäufer waren so verzweifelt, dass sie sogar dafür bezahlten, wenn sie jemandem die Wertpapiere und die damit einhergehende Verpflichtung zur Abnahme einer Öllieferung überlassen konnten. Eine Wiederholung einer solchen Panik ist auch Ende Mai mit den dann auslaufenden Juni-Kontrakten nicht auszuschließen.

Das Coronavirus hält die Weltwirtschaft an, fast die Hälfte der Menschheit lebt mit Ausgangssperren. Überall stehen derzeit Fabriken still, Flugzeuge bleiben am Boden, Schiffe in den Häfen.

Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet wegen der Folgen der Corona-Krise mit einem beispiellosen Rückgang der Rohöl-Nachfrage. Vor der Krise lag der weltweite Ölverbrauch bei 100 Millionen Fass pro Tag, im laufenden Jahr dürfte die Nachfrage um 9,3 Millionen Barrel pro Tag oder knapp 10 Prozent einbrechen, heißt es im Monatsbericht des Interessenverbands von Industriestaaten. Im April gehen die IEA-Experten sogar von einem Rückgang von durchschnittlich 29 Millionen Barrel pro Tag - oder einem Drittel - im Vergleich zum Vorjahr aus.

Die Allianz von OPEC-Ländern und Russland hatte sich im April darauf verständigt, die tägliche Förderung um mehr als ein Fünftel zu drosseln, diese soll für Mai und Juni gelten. Daneben wollen auch weitere Fördernationen wie die USA, Kanada oder Brasilien, die nicht dem Kartell aus OPEC und Russland angehören, freiwillig die Produktionsmenge um 3,7 bis fünf Millionen Fass pro Tag reduzieren.

Die Kürzungen, so sagen viele Analysten, kommen zu spät. Es gibt immer weniger Lagerkapazitäten für Öl und die Lagerkosten sind deutlich gestiegen. Immerhin hat China zuletzt begonnen, die eigenen Lager aufzufüllen. Doch nach Ansicht von Experten wird das nicht reichen, die historischen Nachfrageausfälle zu kompensieren und eine Ölschwemme im zweiten Quartal zu verhindern.