05.08.2020 - Zwei Seiten einer Medaille: Erholung setzt US-Dollar unter Druck und unterstützt Gold

Selten gab es auf den Devisenmärkten so starke Schwankungen wie in den letzten Monaten. Als im März die Märkte praktisch im freien Fall waren und die Panik um sich Griff, hatte der Dollar in nur wenigen Tagen um 9 Prozent gegenüber den global wichtigsten Währungen an Wert gewonnen. Investoren betrachteten den „Greenback“ als sicheren Hafen. Nur ein paar Monate später, im Juli, hatte der Dollar die schlechteste monatliche Performance in einer Dekade mit einem Wertverlust von 5 Prozent.

Woran liegen die starken Ausschläge und verliert der Dollar seine Rolle als sicherer Hafen?

Das Corona-Virus hat die USA so fest im Griff wie bis dato keine andere Industrienation. Investoren gehen davon aus, dass die US-Notenbank die Wirtschaft mit noch mehr Stimulus-Maßnahmen unterstützen wird. Das ist per se nicht gut für den Wert des Dollars. Gleichzeitig zeichnet sich aber auch eine relativ synchrone Belebung der Weltwirtschaft ab, was den Dollar schwächt, da Gelder raus aus sicheren Häfen hin zu renditestärkeren Destinationen fließen.

Ein weiterer Punkt könnte aber auch die politische Unsicherheit sein, die belastend auf den Dollar wirkt. Es stehen Wahlen an, obgleich das Land durch das Corona-Virus fernab von jeglicher Normalität operiert. Momentan sieht es für US-Präsident Trump, nicht zuletzt wegen des desaströsen Managements der Krise, schlecht aus. Aber entschieden ist noch lange nichts. Wie es dann mittelfristig mit der US-Wirtschaft weiter geht, ist auch nicht absehbar, da es noch keine Zeichen einer nachhaltigen Eindämmung von Covid-19 gibt. All das belastet den US-Dollar sehr.

Der Goldpreis ist gleichzeitig auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Eigentlich spricht man bei Gold auch von einem sicheren Hafen als Investitionsobjekt, aber Investoren treibt hier ein anderes Motiv. Angesichts der sehr umfangreichen Maßnahmen der Notenbanken, welche die Märkte mit Rekordsummen an Liquidität geflutet haben, steigen die Inflationserwartungen. Gleichzeitig wird nicht erwartet, dass die Notenbanken ihre momentane, ultralockere Geldpolitik bald aufgeben. Diese Kombination hat zur Folge, dass die Realzinsen weiter fallen und damit Gold attraktiv wird. Gold wirft ja keine Zinsen ab, aber in einer Welt, in der immer weniger festverzinsliche Wertpapiere wie Staatsanleihen substantielle Zinsen zahlen bzw. zu großen Teilen sogar negative Zinsen ausweisen, verliert Gold den Rendite-Nachteil gegenüber Anleihen.

Bisher springt die Teuerung aufgrund der Nachfrageschwäche noch nicht an, obwohl die Zentralbanken bereits gegensteuern. Doch der Blick in den Rückspiegel zeigt, dass auf Zeiten mit schwacher Preisentwicklung und Deflation Phasen mit höchster Inflation folgten.