13.10.2020 - EZB-Präsidentin Lagarde warnt vor ökonomischen Konsequenzen der zweiten Corona-Welle

Es ging deutlich schneller als erwartet: Die Corona-Neuinfektionen steigen in ganz Europa rasant und die Politik antwortet mit ersten Gegenmaßnahmen. Noch sind diese zumeist zögerlich, ein erneuter Lockdown soll vermieden werden, doch die Marschrichtung ist auch klar: Sollten die Maßnahmen, wie vermehrte Maskenpflicht und eine Art Sperrstunde, in den am stärksten betroffenen Regionen nichts bringen, werden striktere Regeln eingeführt. Oberste Maxime wird aber weiterhin bleiben, die Wirtschaft am Laufen zu halten.

Die EZB-Präsidentin sieht den zweiten Teil der V-förmigen Erholung nun gefährdet und zeigt sich besorgt über die wirtschaftliche Erholung angesichts der schnell steigenden Corona-Infektionen. Auch das Sitzungs-Protokoll vom September, das die EZB erst letzte Woche veröffentlicht hat, zeigt deutliche Sorgen ob der Unsicherheit über die weitere Entwicklung. Zwischen den Zeilen steht da recht klar, dass es wohl mehr Stimulus durch die EZB geben wird. Dafür stehen im Grunde zwei Termine zur Auswahl - Ende Oktober oder Mitte Dezember, wenn der EZB-Rat zusammenkommt.

Innerhalb des EZB-Rats öffnet sich der altbekannte Graben zwischen „Falken“ und „Tauben“ erneut. Bundesbank Präsident Weidmann und auch sein niederländischer Kollege machen sich gegen mehr Stimulus stark, andere wie Philip Lane, der Chefvolkswirt der Institution, machen sich dafür stark. Lane sagte letzte Woche, dass es sehr „teuer wäre, eine lange Periode sehr niedriger Inflation zu akzeptieren.“ Die EZB riskiert, die Kontrolle über die Inflation zu verlieren und deswegen sei es „weniger teuer und auch vernünftiger, über mehr geldpolitische Unterstützung nachzudenken, um die Inflationsentwicklung zu unterstützen.“ Hier hatman in der EZB wohl Angst vor wirtschaftlich "verlorenen Dekaden" wie wir sie au der Deflationszeit Japans aus den 90er und 2000er Jahren kennen.

Die Aktienmärkte in Europa sind zwar noch nicht wieder auf Vor-Krisen-Niveau, zeigen sich aber auch nicht sonderlich beeindruckt von dem erneuten Aufflammen des Infektionsgeschehens. Es scheint, als ob Investoren einerseits auf mehr Stimulus der Notenbanken vertrauen und andererseits auch dem fiskalpolitischen Stimulus einiges zutrauen.

Trotz aller Unterstützung: Das vierte Quartal könnte es in sich haben. Corona wird uns weiter beschäftigen, denn die große Unbekannte ist, wie massiv die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus sein werden oder angesichts steigender Todesfallzahlen sein müssen. Hinzu kommt der ungewisse Ausgang der US-Wahlen. Die Berichtssaison fürs dritte Quartal wird sicherlich - zumindest für Einzeltitel - interessant werden. Seien wir gespannt.