16.10.2018 - Marktausblick: Werden die Korken zum Jahreswechsel knallen?

  • Deutschland, Großbritannien und Italien stehen vor richtungsweisenden Entscheidungen
  • Aufschwung in den USA in Gefahr
  • Volatilität der Märkte wird sich weiter erhöhen

 

Wer davon ausgegangen ist, dass sich das Jahr 2018 ruhiger als 2017 entwickelt, sieht sich getäuscht. Das vergangene Jahr war durch verschiedene Wahlen in führenden Ländern der EU geprägt, die als Gradmesser für den Fortbestand der Europäischen Union angesehen worden sind. Alle Wahlen im Jahr 2017 haben aber gezeigt, dass europakritische Kräfte nicht in der Mehrheit sind. Dennoch ist das Jahr 2018 nicht weniger volatil als 2017 – also eine große Herausforderung an alle Vermögensverwalter; insbesondere Verwalter wie die Fürstlich Castell’sche Bank, die sich die Vermögensbewahrung als oberstes Ziel gesetzt haben. Dass Deutschland seiner Führungsrolle innerhalb der EU aufgrund der fragilen Mehrheitsverhältnisse nach der letzten Bundestagswahl vor einem Jahr nicht nachkommen konnte, ist nur ein Aspekt, der das Jahr 2018 bisher geprägt hat und wohl noch prägen wird. Viel entscheidender sind das Verhalten Großbritanniens und die Konfrontation der britischen Regierung mit der Europäischen Kommission, um sich die Rosinen aus dem Kuchen zu picken.

„Die Drohung eines harten Brexits hat den Schrecken verloren, zumindest für die Wirtschaft Kontinentaleuropas. Wirtschaftliche Gefahren kommen eher auf Großbritannien zu. Einfachste Dinge wie die Landerechte britischer Fluggesellschaften in der EU sind noch immer nicht geklärt. Geschweige denn die Fragen zu Irland oder Schottland und deren Grenzen. Umfragen in Schottland sagen schon voraus, dass sich im Falle eines Brexits mehr als 50 % für eine Unabhängigkeit von Großbritannien aussprechen würden. Kein Wunder, dass die Gespräche erstmal auf Eis liegen“, so Dr. Sebastian Klein, Vorstandsvorsitzender der Fürstlich Castell’schen Bank. Dabei ist aber gerade Großbritannien von offenen Wirtschaftsgrenzen abhängig wie kaum ein anderes Land. Großbritannien hat Daten des Internationalen Währungsfonds zufolge das größte Leistungsbilanzdefizit der großen Industrienationen und ist stark vom Kapitalzufluss aus dem Ausland abhängig. Dr. Sebastian Klein: „Dementsprechend ist es ein starkes negatives Marktsignal, wenn alleine im Juli mehr als 17 Milliarden Euro als Nettoabfluss aus britischen Anleihen von Ausländern zu verzeichnen war – die höchste Summe seit Beginn der Aufzeichnungen 1982. In einem knappen halben Jahr soll der Brexit vollzogen werden und es ist nichts geregelt. Unternehmen auf beiden Seiten des Kanals reagieren zunehmend verunsichert – was auch wiederum Auswirkungen auf den Anleihemarkt und den Aktienmarkt und damit verbunden das europäische Wachstum hat. Man kann nur hoffen, dass sich die politischen Kräfte schnellstmöglich durchsetzen, die für eine Neuwahl oder zumindest ein neues Votum einstehen.“

Der italienische Haushalt, der Anfang Oktober verabschiedet worden ist, hat die Märkte massiv überrascht. Rom will in den nächsten drei Jahren das Haushaltsdefizit drastisch um 2,4 % des Bruttoinlandproduktes erhöhen und erst 2021 einen ausgeglichenen Haushalt anstreben. Nach der ersten Vorstellung der Etatpläne Ende September schnellten die Renditen für 10-jährige Staatsanleihen um rund 270 Basispunkte nach oben und der italienische Aktienleitindex FTSE MIB verlor fast 4,5 %. Im Oktober bis zur Verabschiedung des Etats noch einmal rund 5 %. Unicredit als Banktitel, mit mehr als 9 % im 40 Unternehmen umfassenden Index gewichtet, verlor alleine im September mehr als 11 % - im Oktober noch einmal rund 4 %. Dr. Sebastian Klein: „Dieser Etat der italienischen Regierung ist ein ungedeckter Wechsel in die Zukunft. Die höhere Verschuldung wird nicht für neue sinnvolle Maßnahmen zur Steigerung des Wirtschaftswachstums, sondern für eine reine Klientelpolitik genutzt. Die Ratings Italiens sind in Gefahr – Ende Oktober werden die großen Agenturen neue Ratings veröffentlichen – eine Herabstufung ist wahrscheinlich. Dann könnten italienische Anleihen noch stärker unter Druck geraten. Inwieweit dies auch Auswirkungen auf die von der EZB angekündigten Maßnahmen zur Reduktion bzw. Einstellung von Anleiheaufkäufen und schrittweisen Zinserhöhungen ab dem Sommer 2019 haben wird, bleibt abzuwarten.“

Der Oktober wird voraussichtlich auch weiterhin von einer hohen Volatilität der europäischen Anleihe- und Aktienmärkte geprägt sein. Dabei sind die innenpolitischen Streitereien in Deutschland und die beiden Landtagswahlen in Bayern und Hessen fast zu vernachlässigen angesichts des Risikopotentials eines sich ausweitenden Handelskriegs zwischen USA und China. Deren „symbiotische“ Verbindung aus „Konsument“ (USA) und „Financier“ (China) sollten aber eine baldige Einigung am Horizont erscheinen lassen. Die Spannung steigt hingegen für Großbritannien und Italien. Momentan lässt sich nicht glaubwürdig absehen, ob am Ende des Jahres die Party abgesagt werden muss. „In den USA sorgen die steigenden Zinsen dafür, dass sich zunehmend Angst vor einem Ende des Aufschwungs breit macht. Es ist fraglich, ob sich Europa hiervon abkoppeln wird können. Es ist momentan nicht vorherzusehen, ob es sich bei den zurzeit stark angeschlagenen Aktienmärkten nur um eine kurze, heftige Korrektur oder eine längere Schwächephase handelt. Aufschluss darüber könnte die anstehende Berichtssaison geben, wobei die Ausblicke relevanter für den Markt sein werden, als die im abgelaufenen Quartal erzielten Ergebnisse“, so Dr. Sebastian Klein.

Weitere Informationen zu den Vermögensverwaltenden Fonds der Fürstlich Castell’schen Bank finden Sie unter www.castell-bank.de.