22.01.2020 - Die EZB-Sitzung im Blick: Was können Anleger am Donnerstag erwarten?

Die Europäische Zentralbank hat nicht nur eine neue Chefin, Christine Lagarde, sondern will ihre Strategie und die geldpolitischen Instrumente einer genauen Analyse unterwerfen. Diesen Donnerstag soll es soweit sein: Lagarde wird den Startschuss für die erste Strategiedebatte seit 2003 geben. Geldpolitische Veränderungen sind allerdings diese Woche nicht zu erwarten.

Schon im Vorfeld machte Lagarde klar, dass sie sich mit vielen sogenannten Stakeholdern konsultieren möchte. Sie möchte sich mit den Kollegen der Euro-Notenbanken, mit Wissenschaftlern und aber auch mit dem EU-Parlament und der Zivilgesellschaft konsultieren.

Diese Öffnung wird nicht von allen befürwortet, denn - so vernimmt man aus Notenbankkreisen - man riskiere damit eine Überforderung der Institution. Die EZB solle sich auf Inflation konzentrieren und nicht mit einem Bein gegen den Klimawandel kämpfen. Wie diese Debatte ausgeht, wird wohl erst zum Ende des Jahres klar werden. Lagarde wird wohl ein holpriger Weg bevorstehen, denn schon in der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass die nationalen Notenbankgouverneure genug davon haben, sich vom EZB-Präsidenten „dominieren“ zu lassen.

Harte geldpolitische Entscheidungen werden für das gesamte Jahr nicht erwartet - zumindest preist der Markt keine weiteren Zinssenkungen oder sogar Erhöhungen ein. Natürlich ist das abhängig von der weiteren wirtschaftlichen Erholung, falls sich bald ein optimistischeres Bild abzeichnet, könnte natürlich auch die Notenbank reagieren.

Im Kern wird es weiter um die Frage gehen, ob die EZB mit ihrer momentanen Politik das Inflationsziel erreichen kann oder etwas an der Art, wie Inflation gemessen wird, verändert werden muss? Die schwedische Riksbank nimmt beispielsweise auch steigende Mieten in ihrer Inflationsberechnung auf. Dies würde die gemessene Inflation auch in der Eurozone beflügeln und an unsere gefühlte Inflation annähern.

 

All das sind Fragen für die Strategiedebatte.

Lagarde wird nicht umhinkommen, sich diesen Fragen anzunehmen. Die letzten acht Jahre unter Mario Draghi waren größtenteils Krisenjahre, die mit vielen neuen geldpolitischen Instrumenten einhergingen - Stichwort QE, Forward Guidance und Negative Deposit Rates. Lagarde hat die wahrscheinlich ungleich schwierigere Aufgabe die EZB-Politik wieder zu „normalisieren“ und die breite Öffentlichkeit von der Notwendigkeit der geldpolitischen Ausrichtung zu überzeugen.

Viele sagen, die EZB hat ein „deutsches“ Problem - Lagarde wird wohl daran gemessen werden, ob sie die öffentliche Meinung im größten Land der Eurozone auf ihre Seite bringen kann.