22.04.2020 - Eurozone: Schwierige Zeiten angesichts steigender Schulden

Rentenmärkte reagieren anders als Aktienmärkte, vor allem auf Risiken. In der letzten Woche sind die Rendite- und Risikoaufschläge der südeuropäischen Renten deutlich gestiegen und ihre Preise gefallen. Vor allem Italien aber auch Spanien, Griechenland und Portugal waren und sind stark betroffen. Die Anleger werden angesichts der steigenden Schuldenstände nervöser.

Italienische Staatsanleihen gerieten trotz des massiven Asset Purchase Programms (Programm zum Ankauf von Vermögenswerten) der Europäischen Zentralbank unter Druck. Anleger sind zunehmend beunruhigt über die gigantischen Schuldenberge, die Italien und andere Eurozonen-Länder im Kampf gegen die Corona-Pandemie aufnehmen müssen.

Der Internationale Währungsfonds geht davon aus, dass der Schuldenstand Italiens auf 155 Prozent des BIPs allein in diesem Jahr anwächst. Deutschland hingegen dürfte nur einen kleinen Anstieg auf 68 Prozent verzeichnen. Viele Investoren erinnern sich noch sehr gut an die Zeit der Schuldenkrise. Die Frage wieviel Schulden „nachhaltig“ bedienbar sind, ist wieder auf dem Tisch. Bedeutet ein „nach der Corona-Krise“ automatisch ein „in der Staatsschuldenkrise 2.0“?

Die Europäische Zentralbank steuert massiv dagegen: Allein in diesem Jahr wird die EZB mehr als eine Trillion Euro an Anleihen kaufen – so viel wie noch nie zuvor. Die EZB-Präsidentin Christine Lagarde kämpft mit allen Mitteln gegen eine sogenannte „Fragmentierung“ der Eurozone, d. h. einem Anstieg der Renditen bei südeuropäischen Staatsanleihen im Vergleich zu den als sicher geltenden deutschen Bunds. Um dem entgegen zu wirken, kaufte die EZB etwa im letzten Monat überproportional viele italienische Titel: ein Drittel der Investitionen in Staatsanleihen floß nach Italien.

Die Politik hätte der EZB mit der Einführung von sogenannten Corona-Bonds beispringen können. Eine Vergemeinschaftung der „Corona-Krisen-Schulden“ hätte das Potential die Nerven der Anleger zu beruhigen. Damit würden die Kreditrisiken zusammengefasst und gemeinsam garantiert. Dieses Instrument - ohne Frage ein Instrument großer Solidarität angesichts der Pandemie, die vor allem Südeuropa schwer getroffen hat - ist allerdings zumindest aktuell politisch kaum durchsetzbar. Neben den Zweiflern aus Deutschland, haben sich auch die Niederländer dezidiert gegen Corona-Bonds ausgesprochen.

Werden die Corona-Bonds jedoch kommen, werden die Renditen der Bundesanleihen und der Niederländischen Staatsanleihen ansteigen, während die der Südeuropäer sinken. Die AAA-Bonität Deutschlands wäre dann sogar in Gefahr.