29.04.2020 - Die EZB ist voll im Krisenmodus und könnte Pandemie-Programm ausweiten

Die Notenbanker der Eurozone kommen am Mittwoch und Donnerstag zu einer regulären – virtuellen – Sitzung zusammen. Während die Eurozone wohl auf die schwerste Rezession seit dem zweiten Weltkrieg zusteuert und die Schuldenstände der südeuropäischen Mitgliedstaaten aufgrund der Corona-Krise explodieren, müssen die Notenbanker entscheiden, ob das bestehende Krisen-Kaufprogramm vergrößert werden muss.

Das neue Pandemie-Rettungsprogramm "PEPP" (Pandemic Emergency Purchase Programme) sieht bis Ende 2020 Käufe von Staatsanleihen und anderen Titeln im Volumen von 750 Milliarden Euro vor. Zuvor hatte die EZB bereits im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Virus-Krise neue Liquiditätsspritzen für die Wirtschaft und eine Ausweitung ihrer Anleihekäufe um 120 Milliarden Euro bis zum Jahresende auf den Weg gebracht. Mit schon bestehenden Programmen summieren sich inzwischen die für dieses Jahr anvisierten Wertpapierkäufe der Währungshüter auf rund 1,1 Billionen Euro.

Dies könnte noch nicht alles sein. Der Markt erwartet eine Erhöhung des Programms spätestens bis September – der Schritt könnte aber auch schon diese Woche kommen. Der Grund dafür ist die massiv einbrechende Wirtschaft der Eurozone und ein sehr ungewisser Ausblick für die Inflationsentwicklung.

Viele Menschen verdienen wegen der Coronakrise deutlich weniger oder verlieren gar ihre Arbeit und das wird sich negativ auf die Preisentwicklung auswirken. Hinzu kommt, dass die EZB sich Sorgen um eine sogenannte „Fragmentierung“ der Eurozone macht. Damit ist gemeint, dass die Renditen einzelner Staaten – v.a. Italien, Griechenland, aber auch Portugal und Spanien – steigen, während die Finanzierungskosten der „Nord“-Länder wie Deutschland stabil niedrig bleiben. Das erinnert an die Schuldenkrise und die EZB steuert schon jetzt massiv gegen, indem sie vor allem Anleihen der Südländer kauft.

Noch ist nicht absehbar, wie schwer die Rezession werden wird. Die jüngsten Konjunkturdaten wie der Einkaufsmanager- und der Ifo-Index lassen keinen Zweifel an einer schweren Rezession. Der Einkaufsmanagerindex, der Industrie und Dienstleister zusammenfasst, fiel im April auf 17,1 Punkte und damit auf den tiefsten Wert seit Beginn der Datenerhebung vor über 22 Jahren. Als „katastrophal“ bezeichnet der Chef des Münchner ifo-Instituts Clemens Fuest die Stimmung in den deutschen Unternehmen. Der ifo-Geschäftsklimaindex stürzte im April auf ein Rekordtief von 74,3 Punkten, 85,9 Punkte waren es noch im März gewesen. Und auch da war der vielbeachtete Index schon deutlich eingebrochen. Die Unternehmen blickten so pessimistisch wie noch nie auf die kommenden Monate.

Gegen die Rezession kann die EZB wenig machen, sie kann und muss allerdings gewährleisten, dass sich die Finanzierungsbedingungen in der Eurozone nicht verschlechtern. Aus diesem Grunde greift die Notenbank auch den Banken unter die Arme und weitere Maßnahmen dürften folgen. Die EZB ist wohl noch längst nicht am Ende der Krisenbewältigung angekommen.

Die EZB wird tun, was in ihrer Macht liegt, um die Wirtschaft zu stabilisieren. Sie wird dabei von den massiven Programmen der Regierungen unterstützt. Damit sollten große Teile der Shutdown-Schäden abzufedern sein. Ob dieser Plan aufgeht, werden wir erst in einigen Monaten erfahren.