30.09.2020 - Der ungewisse Ausgang der US-Wahl belastet den Ausblick für Aktien

Nichts mögen Investoren weniger als Unsicherheit. Davon gibt es momentan allerdings recht viel: Als ob der problematische Verlauf der Corona-Krise nicht genug sei, wird auch der ungewisse Ausgang der US-Wahl für Investoren immer wichtiger, je näher der 3. November, der Tag der Wahl, rückt.

Noch vor ein paar Wochen sah es so aus, als würden die Demokraten klar gewinnen, doch mittlerweile deutet sich eher ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Demokraten und Republikanern an. In der Vergangenheit war es nie positiv für die Märkte, wenn der Amtsinhaber abgewählt wurde. Dies könnte auch diesmal der Fall sein, denn Joe Biden und die Demokraten dürften weniger wirtschaftsfreundlich als Donald Trump sein. Dennoch sind Sorgen um eine „sozialistische“ Politikwende in den USA selbst bei einem Wahlsieg der Demokraten gelinde gesagt überzogen.

Allerdings ist es auch noch verfrüht, Donald Trump abzuschreiben. Alles hängt wieder einmal von den sogenannten Swing States ab. Das US-amerikanische Wahlsystem ist sehr komplex und nur die meisten Stimmen auf sich zu vereinen, reicht nicht aus, um das Präsidentenamt zu übernehmen. Auch Hillary Clinton hatte beim letzten Mal rund 3 Millionen Stimmen mehr als Trump, aber sie gewann trotzdem nicht die Wahl.

Der US-Präsident wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern indirekt durch das Wahlmännergremium (Electoral College). Die Wahl ist entschieden, sobald ein Kandidat oder eine Kandidatin die Mehrheit von 270 Wahlmänner- und Wahlfrauenstimmen erreicht hat. Die Zahl der Wahlmänner und -frauen variiert in den Bundesstaaten je nach Bevölkerungsstärke. Kalifornien etwa verfügt über 55, das kleine Delaware über drei Wahlmänner und -frauen. Weiter gilt in 48 Staaten die Regel, dass sämtliche Stimmen an den Kandidaten oder die Kandidatin gehen, der oder die die Mehrheit der Stimmen erhält (Winner-Takes-It-All-Prinzip).

Die meisten Bundesstaaten sind klar demokratisch - wie Kalifornien - oder klar republikanisch - wie Texas. Die wenigen Swing States wie Ohio oder Florida sind deswegen von großer Bedeutung für den Ausgang der Wahl.

Wie ist der letzte Stand?

Es sieht wohl so aus, als würden die Demokraten das Rennen machen, aber das war auch vor 4 Jahren die Prognose. Viel wird von der weiteren Entwicklung der Corona-Krise abhängen und der Lage auf dem Arbeitsmarkt. Das erste Rettungspaket ist Ende Juli ausgelaufen und bisher konnten sich Demokraten und Republikaner nicht auf ein neues Programm einigen. Trump hat zur Überbrückung verschiedene Dekrete unterschrieben, aber es fehlt ein schlagkräftiges Konjunkturpaket, das zumindest die schlimmsten Folgen der Krise abfedert. Hinzu kommt, dass durch den Tod der liberalen Richterin Ruth Bader Ginsburg die Konservativen die höchste richterliche Instanz ideologisch auf ihre Seite ziehen könnten. Trump plant die Nominierung der erzkonservativen Amy Coney Barrett, was zu weitreichenden Veränderungen führen könnte. Selbst Obamacare, ein wichtiges soziales Netz gerade in Zeiten der Pandemie, könnte wieder abgeschafft werden, so die Sorge der Demokraten.

In den USA geht es momentan um sehr viel, das Land ist gespaltener denn je und die Märkte wollen vor allem eins: Vorhersehbarkeit und Regeln, auf Basis derer man Entscheidungen über zukünftige Investitionen treffen kann. Bis die Wahl entschieden ist, bleibt das schwierig.