Investment Komitee Summary - Dezember 2020

2021: Wirtschaftliche Erholung wird Aktienmärkte weiter stützen

So schnell kann sich das Bild wandeln. Zwar ächzt zumindest die westliche Welt unter einer gewaltigen zweiten Corona-Welle, dennoch verbreitet sich immer mehr Optimismus aufgrund der Durchbrüche bei den Impfungen. Großbritannien hat schon begonnen zu impfen, Europa und die USA werden bald folgend. Aufgrund der weitreichenden Lock-downs und Beschränkungen dürfte Europa zwar im vierten Quartal wieder in eine Rezession gefallen sein, aber der weitere Ausblick lässt hoffen. Der Rest der Welt vermeidet Lockdowns, obgleich die Corona-Zahlen nach oben gehen, und drosselt somit die Wirtschaft weniger, wovon gerade Export-Nationen wie Deutschland natürlich profitieren.

Wir sind optimistisch für Aktien, insbesondere in Regionen, die als zyklisch betrachtet werden. Vor diesem Hintergrund haben wir im Investment-Komitee folgendes beschlossen:

Wir stocken die Aktienquote auf, um von der zyklischen Erholung 2021 zu profitieren. Deswegen konzentrieren wir uns auf folgende Regionen:

  • Britischen Aktien, die wir bis dato untergewichtet hatten
  • Zyklischere Ausrichtung im Pazifischen Raum durch Investitionen in Japan
  • Lateinamerika, insbesondere Brasilien, da hier die chinesische Erholung treibt.

 

Aktienquote erhöhen in Antizipation einer zyklischen Erholung 2021

Auf den Aktienmärkten regiert die Nach-Corona-Zeit, denn Investoren preisen die Impferfolge schon ein. Wenn die Logistik gut läuft, dürften wir in Europa eine Impfquote von 65 bis 70 Prozent erreichen, in den USA könnte dieses Niveau sogar schon im Mai/Juni erreicht werden. Mit einer solchen „Durchimpfung“ dürfte die Verbreitung des Virus zum Erliegen kommen und den Weg frei machen für eine starke zyklische Erholung. Dieser Ausblick in Kombination mit niedrigen Zinsen dürfte die Aktienmärkte weitertreiben. Die EZB wird und muss die Zinsen niedrig halten, da die Inflationserwartungen auf historischen Tiefständen sind, und wird daher ihre Kaufprogramme ausweiten und verlängern. In den USA hat die FED ihr Inflationsziel jüngst verändert und wird ein sogenanntes „overshooting“ von Inflation tolerieren, d. h. auch in den USA werden die Zinsen länger niedrig bleiben können als es die Wachstumsrate erfordern würde.

 

Zyklische Regionen und Werte dürften 2021 besser laufen

Aufgrund der Durchbrüche in den letzten Wochen bei Impfstoffen gehen wir von einer Normalisierung im Verlauf des Jahres 2021 und einem „back to normal“ für die Unternehmen aus. Diese zyklische Erholung dürfte dann auch gerade Unternehmen, deren Wert durch Corona stark beeinträchtigt war und ist, Auftrieb geben. Diese zyklischen Unternehmen zeigen auch vielfach „Value“- Charakteristika, sind also günstiger bewertet als der breite Markt. Aber auch ganze Märkte, wie Europa vs. USA, UK vs. EMU, Brasilien vs. Schwellenländer, Japan vs. Pazifik-Region sind dem „Value“-Bereich zuzurechnen. Hier sehen wir große Chancen. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass die Corona-Gewinner, darunter auch die Tech-Aktien, auf Sicht von 6-12 Monaten höchstwahrscheinlich hinter den Zyklikern zurückbleiben werden. Tech-Aktien - die ja gemeinhin als Wachstumstitel geführt werden - könnten auch durch steigende Zinsen in den USA unter Druck kommen. Falls die Zinsen - auch nur marginal - anziehen sollten, verändert sich die Bewertung dieser Titel besonders stark, denn die Bewertungsmodelle diskontieren die zukünftig zu erwartenden Cash Flows auf den heutigen Zeitpunkt ab. Wenn der Nenner, also der Zins, größer wird, verringert sich der heutige Wert stark. Tech-Aktien dürften also die Verlierer von steigender Inflation und damit steigenden Zinsen sein.

 

Stolpersteine 2021 - what could go wrong?

Bei allem Optimismus für das Jahr 2021 müssen auch die Aspekte bedacht werden, die den Märkten Schwierigkeiten bereiten könnten.

Gerade in den USA könnte es schneller zu einem Anspringen der Inflation und damit zu ansteigender „Inflationsangst“ kommen. Das könnte die Zinserwartungen schnell treiben, die Bondmärkte durcheinanderbringen und den Aktienmärkten Furcht einflössen. Vor allem, wie oben dargelegt, dürfte das die Tech-Werte treffen.

Eine weitere Gefahr ist der sogenannte „Blue Sweep“ der Demokraten in den USA. Dafür müssten die Demokraten den Senat für sich gewinnen, das könnte bei den Stichwahlen in Georgia Anfang Januar passieren. Dann könnten Steuererhöhungen für Unternehmen drohen, was den Märkten nicht gefallen dürfte.

Last but not least könnte Störfeuer auch von der FED selbst kommen, wenn sie Ende des Jahres anfängt zu „tapern“, also die Anleiheaufkaufprogramme zurückzufahren. Eine Reduktion von Stimulus hat in der Vergangenheit oft zu Irritationen an den Märkten geführt.

An der geopolitischen Front wird auch 2021 mit dem Konflikt China-USA und evtl. Iran-USA zu rechnen sein.