Castell’scher Wochenausblick auf die Märkte (KW47)

Die Märkte haben sich mehr oder weniger auf eine deutliche wirtschaftliche Abkühlung eingestellt: Die Wallstreet hat nunmehr sämtliche Gewinne seit Jahresanfang abgegeben und der deutsche Leitindex DAX ist sogar knapp 15 Prozent im Minus. Hinzu kommen politische Risiken, höhere Zinsen und erste Anzeichen, dass sich die von der US-Regierung losgetretenen protektionistischen Maßnahmen – kurz Zölle – negativ auf die Gewinnsituation der Unternehmen auswirken. Am Anfang der Woche wird das Geschehen in Brüssel und in London abermals im Mittelpunkt stehen.


Brexit – Sondergipfel in Brüssel

Theresa May und die anderen europäischen Staatschefs werden am Sonntag mit dem Ziel zusammenkommen, ein für alle tragbares Austrittsabkommen zu verabschieden. Noch gibt es Unstimmigkeiten unter anderem mit Spanien über Gibraltar. Falls diese Hürde genommen wird, steht allerdings weiter in den Sternen, ob die britische Staatschefin den Deal jemals durch ihr Parlament bekommen wird. Diese Abstimmung dürfte Mitte Dezember anstehen – momentan hätte sie keine Mehrheit. Ein harter Brexit ist also nicht vom Tisch.


Diesel-Gipfel auf europäischer Ebene

Die Industriekommissarin der Europäischen Union (EU), Elzbieta Bienkowska, hat zu einem Spitzentreffen geladen, da sie mit dem Vorgehen der Industrie nicht zufrieden ist. Die EU-Kommission will mit den Mitgliedstaaten deshalb auch über den umstrittenen Handel mit älteren Dieselfahrzeugen innerhalb Europas sprechen: Zunehmend werden ältere Dieselautos wegen ihrer hohen Schadstoffwerte in Westeuropa aus dem Verkehr gezogen. Diese werden dann aber ohne Nachrüstung in osteuropäische EU-Staaten verkauft, wo sie weiter auf den Straßen unterwegs sind. Das könnte die EU-Kommission versuchen zu unterbinden.


Fed-Protokoll zur letzten Sitzung  

Das Protokoll der letzten Sitzung der US-amerikanischen Notenbank wird vom Markt genau beobachtet, denn vom Optimismus der Zentralbanker hängt ab, wie schnell die Zinsen in den USA steigen werden. Kernfrage wird sein, ob der jüngste Einbruch am Aktienmarkt und beim Ölpreis die Meinung des Komitees maßgeblich geändert hat. Noch im Oktober schienen sie nämlich wenig beeindruckt davon und bestätigten den Kurs gradueller Zinserhöhungen. Ein Hinweis, dass die schon eingepreiste Zinsanhebung im Dezember eventuell ausbleiben könnte, würde die Märkte in jedem Fall deutlich bewegen.


Trump trifft chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping

In Argentinien findet in der kommenden Woche der G20-Gipfel statt, wo es auch ein Treffen zwischen Trump und Xi Jinping geben wird. Es besteht die Hoffnung, dass es im Handelsstreit zumindest zu einer Pause – wenn nicht zu einer Lösung – kommen könnte. Die Stimmen mehren sich, dass die Wirtschaft durch die Zölle auch in den USA in Mitleidenschaft gezogen wird. Auch der jüngste Ausverkauf am Aktienmarkt hatte zumindest partiell damit zu tun. Eventuell überzeugt das den US-Präsidenten, der sich normalerweise stark an der Performance der Märkte orientiert.