Castell’scher Wochenausblick auf die Märkte (KW49)

Märkte im Blick

Der Ausverkauf und die Verunsicherung an den Märkten hat eine neue Dimension erreicht. Hohe Volatilität scheint die neue Normalität zu sein, denn die Unsicherheit ob politischer und ökonomischer Faktoren belastet die Nerven der Investoren. Und das vor dem Hintergrund eines weiter mehr als soliden globalen Wirtschaftswachstums und weitgehend gesunder Unternehmensgewinne. Eine Bestandsaufnahme.

Wo stehen wir?

Märkte werden als Bärenmarkt bezeichnet, wenn sie mehr als 20 Prozent in einem Jahr gefallen sind, in „Korrektur“ befinden sie sich bei einem Rückgang von mehr als 10 Prozent. Weltweit gibt es nur noch wenige Aktienmärkte, wie Indien und die Schweiz, die in keine der beiden Kategorien fallen. Besonders schlimm hat es den chinesischen, italienischen und deutschen Aktienmarkt getroffen, die sich im Bärenmarkt befinden. Aber auch der amerikanische Leitindex Dow Jones hat seit den Höchstständen diesen Jahres knapp 10 Prozent verloren.

Was hat zu den jüngsten Verlusten geführt?

Handelskrieg, Zinssorgen, Brexit, Italien, Konjunkturabschwächung - das sind nur die größten Belastungsfaktoren, die den Nerven der Investoren zusetzten. Einerseits führen ebendiese gestressten Nerven momentan zu der hohen Volatilität an den Märkten, zu der dann anderseits durch automatische Handelsstrategien häufig weiterer Druck aufgebaut wird.

Handelskrieg zwischen den USA und China

Die Börsen hängen sprichwörtlich am Puls der Tweets des US-Präsidenten, wenn es zu einer Einschätzung der Verhandlungslage zwischen den beiden Nationen geht. Nach dem G20-„Durchbruch“ überwog die Erleichterung gefolgt von erneuten Zweifeln, die von aggressiven Tweets des US-Präsidenten genährt wurden. Zum Ende der Woche überwogen dann auch wieder die hoffnungsvollen Anzeichen, dass sich beide Parteien annähern. Zu viel steht auf dem Spiel. Dennoch, für angeschlagene Nerven, ist diese Achterbahnfahrt nichts, ein Grund für mehr Volatilität.

Die Fed schien nicht beeindruckt vom Ausverkauf

Obgleich die stark angestiegenen Zinsen an den US-Anleihemärkten einer der Auslöser für die Kursverluste im Oktober waren und US-Präsident Trump die Notenbank dafür lautstark kritisierte, blieben die Währungshüter dabei, die Wirtschaft positiv einzuschätzen und ihre Zinserhöhungserwartungen nicht anzupassen. Dies, in Verbindung mit steigenden Konjunktursorgen, hat ebenso zur Verunsicherung beigetragen und den Ausverkauf verstärkt. Zum Ende dieser Woche scheint sich etwas im Denken der Fed verändert zu haben und das könnte an den Märkten positiv ankommen. Mehr und mehr Vertreter der US-Notenbank nehmen an, dass die Notenbank weniger stark als erwartet an den Zinsen in 2019 drehen wird.

Brexit und co.

Politische Risiken werden auch weiterhin die Agenda dominieren. Falls Theresa May in der nächsten Woche den Deal nicht durch ihr Parlament bekommt ist alles möglich: zweites Referendum, Neuwahlen, harter Brexit. Investoren sind weiterhin auf der Hut und haben starke Probleme sich zu positionieren.

Wie geht es weiter?

Zu erwarten ist, dass die Volatilität bleibt, denn die Unsicherheitsfaktoren werden so schnell nicht verschwinden. Die nächste Woche wird wohl ganz im Zeichen des Brexit stehen. Eventuell könnten die Märkte noch ein wenig von den veränderten Zinserwartungen in den USA getragen werden.