Investment Komitee Summary - Februar 2019

Beilegung des Handelsstreits dürfte Aktienmärkte weiter unterstützen

Die Aktienmärkte haben zwar im Januar die Verluste des Dezembers im Großen und Ganzen ausgeglichen, dennoch dürfte eine Beilegung des Handelsstreits zwischen den USA und China für weiter steigende Kurse, zumindest in der kurzen Frist, führen. Deshalb hat das Investment Komitee der Fürstlich Castell'schen Bank folgende Entscheidungen getroffen.

Executive Summary:

  • Wir bevorzugen weiterhin den US-Aktienmarkt und ausgewählte Schwellenländer
  • Wir planen die US-Aktienquote weiter zu erhöhen, falls z. B. der S&P die 200-Tageslinie überschreitet. Europäische Aktien müssen erst noch wichtige Unterstützungen zurückerobern, bevor wir sie höher gewichten.
  • Gleichzeitig bauen wir im Rentenbereich Duration und Sicherheit auf, da die rationale Erwartung auf eine Einigung im Handelsstreit im letzten Jahr mehrfach enttäuscht wurde.
  • Wenn es zu einer Einigung im Handelsstreit kommt, würden wir auch Rohstoffe aufstocken.

Handelsstreit - Quo Vadis?

Wir gehen von einer Einigung zwischen den USA und China in der nahen Zukunft aus. Beide Parteien haben daran großes Interesse. Die Chinesen brauchen dringend positive Impulse für ihre Wirtschaft, denn das Wachstum hat sich deutlich abgeschwächt. US-Präsident Trump braucht ein positives politisches Signal und nicht zuletzt weiter steigende Aktienmärkte, um seine Popularität nicht zu gefährden. Wir gehen davon aus, dass es im Zuge einer Einigung zu weiter steigenden Aktienmärkten kommen könnte und haben deswegen und aufgrund der attraktiver gewordenen Bewertungen unsere Aktienquote bereits im Januar signifikant ausgebaut.

Notenbankpolitik und Rentenmärkte

Nachdem die US-Notenbank die Märkte im letzten Quartal des vergangenen Jahres in Angst und Schrecken versetzt hat, dürfte die Geldpolitik die Märkte nun erstmal unterstützen. Die Märkte gehen nun von keinem Zinsschritt der FED in diesem Jahr mehr aus, wir sehen zumindest keine weiteren Zinsschritte im ersten Halbjahr in den USA. Die EZB wird wohl in diesem Jahr angesichts der weiter niedrigen Inflation und der wirtschaftlichen Abschwächung nichts machen. Diese geldpolitische Unterstützung des „Lower for Longer 2.0“ dürfte die Aktienmärkte weiter positiv stimmen. Staatsanleihen, vor allem Bunds, haben in diesem Umfeld sinkender Inflation, sinkendem Wachstum und sich verschiebender Zinserhöhungen sogar noch ein gewisses Potential.

Ob wir die Tiefstände bei -17BP für zehnjährige Bundesanleihen noch einmal sehen werden, wird die Zukunft zeigen. Kurzfristig gehen wir bis Quartalsende von weiter sinkenden Zinsen aus: Ziel ist hierbei 0-10 BP für Bundesanleihen.

Aktienmärkte zwischen Politik und konjunktureller Eintrübung

Die Märkte sind im Januar trotz sich eintrübender Konjunkturindikatoren und deutlich nach unten revidierten Gewinnaussichten gestiegen. Das hat natürlich einerseits mit den starken Verlusten des Dezembers und andererseits aber auch mit der Hoffnung auf eine Einigung im Handelsstreit zu tun. Die Kernfrage ist allerdings, wie lange das noch gut geht und wie nachhaltig die zu erwartende Erholung ist. Die Einkaufsmanagerindizes deuten in immer mehr Ländern auf eine Abschwächung des Wachstums hin. Die BIP-Prognosen für Deutschland sind deutlich nach unten revidiert worden. Nur eine Einigung im Handelsstreit könnte hier das Ruder nachhaltig herumreißen. Allerdings befinden wir uns auch dann noch in einer späten Phase des Konjunkturzyklus und eine Abschwächung in diesem Jahr ist unumgänglich.

Fazit: wir sehen die Aktienmärkte zwar mit kurzfristigen Potential, erreichen allerdings in den USA bereits wieder neutrale Bewertungsrelationen und würden diese nicht mehr als günstig bezeichnen.

Rohstoffe, China und der Handelskrieg

China als größter Konsument von Industriemetallen treibt natürlich die Preise an den Rohstoffmärkten maßgeblich mit. Gerade der Bereich der Industriemetalle ist unserer Meinung nach quasi „überverkauft“ und dürfte von einer Einigung im Handelsstreit profitieren. Auch haben die Chinesen eine Reihe von fiskalpolitischen Stimuli verabschiedet und es könnte noch mehr kommen beim Parteikongress im März. Die Effekte dürfte man in den Daten zwar erst gen Sommer sehen, aber das könnte die Märkte dann auch weiter unterstützen.

Brexit

Es ist schwer zu sagen, was passieren wird. Momentan sieht alles nach einer Verlängerung aus, allerdings ist die große Frage, für wie lange. Ende Mai stehen die Europawahlen an, sollte Großbritannien dann noch nicht formal ausgeschieden sein, müssten sie an der Wahl ganz normal teilnehmen.