Investment Komitee Summary - März 2019

Die Trumpsche Handelspolitik hat der Weltwirtschaft deutlich geschadet

Schneller und deutlicher als vorher angenommen sind die Auswirkungen der Trumpschen Handelspolitik zu erkennen: Das Wachstumsbild hat Dellen und Blessuren bekommen. Alles steht und fällt nun mit einer Einigung oder dem Scheitern der Gespräche zwischen Trump und Xi-Jinping. Rational gesehen habe beide Parteien ein starkes Interesse sich zu einigen. Das vergangene Jahr hat allerdings gezeigt, dass in der heutigen Zeit nicht notwendigerweise die Rationalität die Oberhand behält. Vor diesem Hintergrund hat das Investment Komitee der Fürstlich Castell’schen Bank folgende Entscheidungen getroffen.

Executive Summary:

  • Ausbau der Rohstoffquote, um früh von einer Stabilisierung der Wirtschaft zu profitieren
  • Ausbau der Durationen bei Europäischen Staatsanleihen auf 5 bis 6 Jahre, um von einer taubenhafteren EZB zu profitieren
  • Beibehaltung der China- und US-Aktienpositionen

Wirtschaft mit erheblichen Bremsspuren - dennoch Erholung möglich

Das Wachstumsbild hat erhebliche Dellen und Blessuren erlitten und die Anfälligkeiten sind merklich gestiegen. Die Einkaufsmanagerindizes spiegeln diese Entwicklung wider: zwar hat sich der weltweite Durchschnitt der „PMIs“ stabilisiert, doch befinden sich 16 Länder in Kontraktion.

Angesichts der Unsicherheit über die Zukunft des Freihandels halten sich viele Konzerne mit Investitionen zurück, was sich natürlich auch in den Exportzahlen widerspiegelt. Eine Einigung im Handelsstreit könnte dennoch für eine Belebung der Wirtschaft im zweiten Quartal führen - ein Scheitern allerdings hätte unweigerlich eine deutliche Verschlechterung, eventuell sogar eine Rezession, zur Folge. Beide Akteure haben großes Interesse an einer Lösung und der Beilegung der Streitigkeiten: Allerdings hat die Vergangenheit auch gezeigt, dass US-Präsident Trump nicht notwendigerweise rational agiert. Wir gehen im Grunde von einer Einigung aus, aber es besteht dennoch ein nicht zu ignorierendes Risiko, dass beide Parteien den Verhandlungstisch ohne Einigung verlassen.

Rohstoffmärkte im Blick

Unter der Annahme, dass es zu einer Einigung kommt, sind wir der Meinung, dass Rohstoffe momentan eine attraktive Asset-Klasse sind. Rohstoffe profitieren sehr früh von einer Verbesserung der konjunkturellen Lage. Schon allein die Ankündigung von mehr fiskalpolitischen Maßnahmen der chinesischen Regierung hat einzelne Industriemetalle beflügelt. China dürfte überproportional von einer Einigung im Handelsstreit profitieren und damit auch deutlich die Rohstoffmärkte beleben.

EZB - Tauben obsiegen

Die Europäische Zentralbank hat ihre Wachstums- und Inflationserwartungen nun deutlich nach unten korrigiert und trägt damit der unverkennbar eingetrübten Konjunktur Rechnung. Wir denken, dass eine „taubenhaftere“ EZB auch noch Potential am Rentenmarkt birgt und verlängern unsere Duration im europäischen Rentenbereich. Die Erwartungen einer ersten Zinserhöhung sind weit in die Zukunft gerückt - momentan geht der Markt von Mitte 2020 aus und die Diskussion zentriert sich aktuell eher wieder um weitere „Unterstützungsmaßnahmen“ wie neue günstige Kredite für die Banken, kurz TLTROs. Nicht zuletzt will Mario Draghi wohl in den letzten Monaten seiner Präsidentschaft keinen „policy mistake“ machen und bleibt sich als Taube weiter treu. Auch in den USA hat die Notenbank FED den Zinsfantasien eine deutliche Absage erteilt - die Märkte gehen sogar von keiner weiteren Erhöhung im Laufe dieses Jahres aus. Es könnte sogar sein, dass die FED ein Überschießen der Inflationserwartungen in Kauf nimmt, um der Wirtschaft nicht zu schaden. Im Gegensatz zur EZB hat die FED ja ein duales Mandat - ihr geht es nicht nur um  Inflation sondern auch ums Wirtschaftswachstum.

Aktienmärkte noch Potential?

Im Falle einer Einigung im Handelsstreit könnten es an den Märkten nochmal sprunghaft bergauf gehen. Wir erwarten aber bis dahin eher eine Seitwärtsbewegung und bleiben deswegen bei unserer leichten Aktienübergewichtung. Auf die einzelnen Märkte runtergebrochen sehen wir weiter mehr Potential in den USA - insbesondere beim Nasdaq - und in Asien. Europa empfinden wir weiterhin als weniger attraktiv.