Investment Komitee Summary - Februar 2020

Investoren lassen Coronavirus-Panik hinter sich, Fokus auf wirtschaftlicher Erholung

Nach einem volatilen Jahresstart an den Aktienmärkten aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus ist die Panik wieder verflogen und die Kursverluste sind wettgemacht. Die Castell Bank ist gut aufgestellt ins neue Jahr gestartet, die Aktienaufstockung im Dezember und Januar und auch der Ausbau der italienischen Rentenposition hat sich bewährt. Für die weitere Entwicklung an den Märkten wird nun wichtig, wann der Höhepunkt der Neuansteckungen beim Coronavirus erreicht wird. Davon wird abhängen wie groß die Bremsspuren v. a. der chinesischen Wirtschaft sein werden und wie stark die globalen Produktionsketten beeinträchtigt werden.

Vor diesem Hintergrund haben wir im Investment Komitee folgende Entscheidungen getroffen:

  • Wir stocken italienische Renten auf, um von wahrscheinlichen Spreadeinengungen zu profitieren.
  • Wir bauen Gold aus, da die Preise weiter steigen dürften, auch durch die Unterfütterung der Notenbanken.
  • Wir halten an Aktien aufgrund der hohen Risikoprämien, relativ zu Staatsanleihen und trotz der erhöhten Bewertungen, fest.
  • Wir beobachten die Entwicklung des Coronavirus genau, um schnell reagieren zu können.


Coronavirus hat Märkte verschreckt - wie geht es weiter?

Die weitere Entwicklung des Coronavirus ist ungewiss und die Auswirkungen der Krankheit auf die Weltwirtschaft hängen davon ab, wann der Höhepunkt an Neuansteckungen erreicht ist. Sollte das im Februar/März sein, dürfte nur das erste Quartal darunter leiden und stärkere Verwerfungen der globalen Produktionsketten und damit der Unternehmensgewinne vermieden werden.

Falls es aber noch länger dauert und zu drastischen Maßnahmen wie Hafenschließungen etc. gegriffen werden muss, könnte sich das zuletzt recht positive globale Wachstumsbild eintrüben und die erwartete Erholung ausfallen. Der Virus verbreitet sich zwar leicht, ist aber weniger tödlich als z. B. SARS und scheint eher das Gefahrenpotential einer „normalen“ saisonalen Grippe zu haben.

China leidet primär, aber Rest der Welt ist nicht immun

Primär dürfte die chinesische Wirtschaft unter dem Virus leiden. Wir erwarten, je nach Dauer der Epidemie, eine Reduzierung des Wachstums von 0,1 bis 0,4 % für 2020 - vor allem der Handel und die Tourismusbranche werden betroffen sein. Allerdings, je länger der Peak der Ansteckungen auf sich warten lässt, desto mehr werden auch die globalen Produktionsketten beeinträchtigt.  Hier wäre neben Japan auch vor allem die USA betroffen; Europa dürfte es erst über sogenannte „Zweitrundeneffekte“ treffen. Die Folgen wären eine fortgesetzte globale Industrie-Malaise, die die Preise treiben und gleichzeitig das Wachstum schwächen würde.  Aus diesem Grund ist für die weitere Beurteilung der Märkte eine genaue Beobachtung des Virus-Verlaufs nötig.

Italien - weiteres Potential für Spreadeinengung

Bei den Regionalwahlen in der Lombardei hat Italiens Oppositionschef Matteo Salvini mit seiner rechten Lega verloren und der angeschlagenen Regierung in Rom eine Verschnaufpause verschafft. Die Rentenmärkte reagierten mit deutlichen Spreadeinengungen und Kursgewinnen und wir sehen noch weiteres Potential. Die Wahlniederlage Salvinis hat die politische Stabilität Italiens deutlich verbessert und wir denken die Spreads könnten sich in den nächsten 3 Monaten noch weiter einengen. Neuwahlen sind nun erstmal vom Tisch, aber Italien ist notorisch politisch instabil. Deswegen sehen wir die Aufstockung italienischer Renten auch nur als eine taktische Allokation.

Wirtschaft hellt sich auf - Industrieproduktion mit Trendwende?

Die Stimmung in der US-amerikanischen Industrie hat sich zu Beginn des Jahres ein Stück weit aufgehellt und ist wieder über die Expansionsschwelle gestiegen. Die US-Wirtschaft nimmt endlich wieder an der globalen Erholung teil und verharrt nicht weiter in einer Schwächephase. In anderen Worten: Die größte Volkswirtschaft der Welt scheint wieder anzuspringen.

Hinzu kommt, dass eine Trendwende bei der globale Industrieproduktion begonnen hat. Die Frühindikatoren signalisieren Erholung, der typische 3-Jahresindustriezyklus scheint weitgehend abgeschlossen und die Anzeichen für eine zyklische Wachstumserholung mehren sich. Es gibt allerdings weiter „Schwachstellen“: Die Daten aus Deutschland und Japan sind weiterhin schlecht.