Investment Komitee Summary - Juni 2020

Die Luft an den Aktienmärkten wird angesichts der sehr hohen Bewertungen dünner

Executive Summary:

In den meisten Industrienationen werden die Corona-Restriktionen sukzessive gelockert, bislang ohne ein massives Anwachsen der Neuinfektionsraten. Die Auswirkungen des Lockdowns auf die Volkswirtschaften sind allerdings immer noch nicht völlig absehbar. Die Aktienmärkte haben einen Großteil der Verluste wieder wettgemacht oder sogar neue Höchststände erklommen – getrieben von den massiven Interventionen der Notenbanken und den fiskalpolitischen Maßnahmen der Regierungen. Im zweiten Quartal wird wohl der Tiefpunkt der Rezession erreicht sein. Wir erwarten, dass ab dem dritten Quartal von einem niedrigen Niveau eine (dynamische) Erholung beginnt und dass diese auch zu steigenden Zinsen am Rentenmarkt vor allem in den USA führen dürfte.

Vor diesem Hintergrund haben wir im Investment-Komitee folgende Entscheidungen getroffen:

  • Wir haben US-Renten und den US-Dollar verkauft bzw. reduziert.
  • Dadurch haben wir die Kassenbestände erhöht und die Zinssensitivität des Portfolios gesenkt.
  • Wir haben Euro-Unternehmensanleihen im Investment Grade-Bereich aufgestockt.
  • Wir haben die Aktienquote entsprechend des Risikobudgets leicht erhöht, bleiben aber insgesamt defensiv aufgrund des Risikobudgets.
  • Bei den US-Aktien haben wir die Übergewichtung im Nasdaq reduziert zugunsten von US-Mid- and-Small-Caps, um an der erwarteten Erholung der Wirtschaft zu partizipieren.

Konjunktur – wann wird es besser?

Bevor es besser wird, wird es zunächst schlechter. Im zweiten Quartal dürften die großen Volkswirtschaften so stark wie zuletzt im Zweiten Weltkrieg eingebrochen sein. Seit Anfang Juni setzen aber fast überall Lockerungsmaßnahmen ein, der Einzelhandel fährt langsam wieder hoch und selbst die Tourismusbranche erwacht allmählich. Die Einkaufsmanagerindizes haben sich in den meisten Ländern verbessert, vor allem China ist auf Erholungskurs. Wir gehen von einer einsetzenden Erholung ab dem dritten Quartal aus, wirklich dynamisch dürfte die Erholung wohl erst 2021 einsetzen.

Quo vadis Zinsen?

Vor allem in den USA sind die Rentenmärkte gegenüber einer wirtschaftlichen Erholung stark verwundbar und können als überhitzt bezeichnet werden. Sollte eine globale Erholung einsetzen – und davon ist auszugehen – sehen wir die 10-jährigen US-Staatsanleihen mit Renditen von 1 bis 1,2 Prozent bis Jahresende. In der Eurozone hat die EZB noch deutlich aggressiver reagiert und damit dürften sich die Marktzinsen auch weniger nach oben bewegen. Allerdings werden bei einsetzender Erholung sicherlich alle „sicheren Häfen“ wie Gold und auch deutsche Bundesanleihen auf den Prüfstand gestellt. Das war in der Vergangenheit immer der Fall.

Die Notenbanken gehen aufs Ganze

Die großen Notenbanken der Welt – die FED, die EZB, die BOJ und auch die chinesische Zentralbank – haben alle massiv expansiv auf die Krise reagiert und damit das globale Finanzsystem und die Wirtschaft mit Liquidität überschwemmt. Während die FED schneller war als die EZB, hat letztere mittlerweile nachgezogen und „geliefert“. Mit den letzten Entscheidungen, das Notfallprogramm PEPP nochmals zu erhöhen und zu verlängern, kann man die EZB mittlerweile als aggressiver als die US-Notenbank einschätzen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde folgt keinem geldpolitischen Dogma, sie ist eine pragmatische Managerin. Aus der Investment-Perspektive ergibt es unserer Meinung nach Sinn, das zu kaufen, was die EZB vor allem kauft: Anleihen der Peripherie wie Italien, Spanien und Griechenland und Unternehmensanleihen mit guter Bonität.

Aktienmärkte sind heiß gelaufen

Während die Wirtschaft die schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg durchläuft, haben die Aktienmärkte einen großen Teil der Corona-Verluste wieder wettgemacht. Manche Märkte, wie der Nasdaq, haben sogar neue Rekordhöhen erklommen. Sollte es doch noch zu negativen Überraschungen kommen, Stichwort zweite Welle oder stark einbrechende Unternehmensgewinne, gibt es hier ein deutliches Rückschlagpotenzial. Momentan setzen die Aktienmärkte auf eine komplette Erholung der Wirtschaft und ein dynamisches Anziehen der wirtschaftlichen Aktivität im zweiten Halbjahr.

Gold könnte interessant werden

Wie schon dargelegt dürften die „sicheren Häfen“, zu denen auch Gold gehört, bei einem synchronen Anspringen der Weltwirtschaft unter Druck geraten. Momentan befindet sich Gold in einer Seitwärtsbewegung, allerdings könnte die wohl kommende wirtschaftliche Erholung das Edelmetall belasten. Es stellt sich die Frage, ab wann es Sinn ergibt, aus Gold herauszugehen und in andere Metalle umzuschichten. Silber - das auch in der Industrie benutzt wird - wäre eine Alternative oder auch Industriemetalle, die von einem Anspringen des verarbeitenden Gewerbes profitieren werden.