Investment Komitee Summary - Juli 2020

Castell-Bank ist verhalten optimistisch für Aktien angesichts der lockeren Geldpolitik

Die großen Notenbanken der Welt werden auf absehbare Zeit die Zinsen niedrig halten und die Märkte mit Liquidität über ihre Notkaufprogramme stützen. Angesichts dieser Maßnahmen gepaart mit einer zu erwartenden Erholung der Wirtschaft dürften die Aktien in der zweiten Jahreshälfte weiter gut laufen. Im Sommer reduzieren viele Anleger ihre Risikopositionen, was zu einer kleinen Korrektur führen könnte. Danach wird es sich wieder lohnen einzusteigen, da wir keine zweite Welle von nationalen Shutdowns erwarten und damit keine weitere starke Belastung der globalen Wirtschaft.

Vor diesem Hintergrund haben wir im Investment Komitee im Juli folgendes entschieden:

  • Wir wollen die Aktienquote flexibel anpassen je nach Entwicklung und Möglichkeiten an den Märkten Rücksetzer für Zukäufe nutzen.
  • In Europa wollen wir im Health Care und Material Bereich aufstocken, den breiten Markt (ETFs) hingegen abbauen.
  • In den USA wollen wir Health Care und den NASDAQ aufstocken und ebenso den breiten Markt (S&P500) abbauen.
  • Bei Unternehmensanleihen und Renten aus der Peripherie der Eurozone bleiben wir übergewichtet.
  • Bei Rohstoffen denken wir über Aufstocken nach, da eine zyklische wirtschaftliche Erholung hier unterstützen sollte.


Stand Coronavirus

Die Anzahl der Infektionen steigt in einzelnen Staaten zwar weiterhin an oder wieder an - vor allem in den USA -, aber gleichzeitig gibt es keinen starken Anstieg von Todesfällen wie noch vor Monaten. Das lässt den Schluss zu, dass man es durch die gewonnenen Erfahrungen mit Covid-19 nun besser schafft, therapeutisch mit der Krankheit umzugehen. Damit reduziert sich die Gefahr von nationalen Lockdowns erheblich, was das Schreckensszenario weiterer Wellen deutlich entschärft. In verschiedenen Ländern - Deutschland, Japan und auch Südkorea - wurden lokale Ausbrüche des Virus erfolgreich mit lokalen Shutdowns bekämpft, ohne dass es zu einer nationalen Verbreitung der Krankheit kam. Diese Entwicklung dürfte auch einen „Sorgenfaktor“ von den Märkten nehmen und sich positiv auf die Stimmung im zweiten Halbjahr auswirken.

Ausblick Aktien

Die Erholung der Aktienmärkte ging zwar wirklich schnell und die Bewertungen befinden sich auf recht hohen Niveaus. Wenn man allerdings das im Vergleich zu vor der Krise gesunkene Zinsniveau mit einkalkuliert, sind Aktien nicht unattraktiv. Wir erwarten eine 5- bis 10-prozentige Korrektur in den nächsten 8 Wochen, da viele Investoren vor der Urlaubssaison ihre Risikopositionen reduzieren werden. Nach solch einer „kleinen“ Korrektur dürften die Investoren, die an der Rally nicht teilgenommen haben, wie z.B. viele institutionelle Investoren, einsteigen und die Märkte unterstützen. Angesichts dieser Gemengelage ist es durchaus möglich, dass Aktien in der zweiten Jahreshälfte in Richtung der alten Rekordstände laufen.

Wir gehen nicht mehr von einer zweiten Verkaufswelle - wie sie bei der Weltwirtschaftskrise und auch der Finanzkrise aufgetreten ist - aus. Die Corona-Krise entstand im Unterschied zu diesen nicht aufgrund von Ungleichgewicht im Finanzsystem oder der Wirtschaft, sondern durch eine exogenen Faktor - dem Virus und die Lockdowns. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass auch keine Ungleichgewichte abgebaut werden müssen und die Krisenbewältigung deutlich schneller gehen kann.

Renten – Kaufen, was die Notenbanken kaufen…

Die Notenbanken bleiben „the biggest player in town“. Noch nie zuvor wurde so viel Liquidität weltweit bereitgestellt wie momentan. Die EZB kann mit ihrem Notprogramm quasi alle Neuemissionen der Mitgliedstaaten der Eurozone dieses Jahres aufkaufen und engagiert sich ebenso stark bei Unternehmensanleihen mit Investment Grade Bereich. Solange die Notenbanken diese Politik verfolgen, ergibt es auch als Investor Sinn, genau in diesem Bereich zu kaufen. Die Zinsen der Peripherie-Anleihen werden auch deshalb niedrig bleiben, da die Notenbank das klare Ziel hat, keine Fragmentation der Eurozone zuzulassen. Mit anderen Worten, steigende Kapitalmarktzinsen insbesondere von hochverschuldeten Ländern wie Italien werden von der EZB nicht toleriert werden.